»Die Deutschen haben das Getränk gefeiert« – Neuer Freiburger Drink mit afrikanischen Wurzeln Start-ups | 05.08.2025 | David Pister

Marktlücke entdeckt: Melanie und Franck Ahipo bringen ein westafrikanisches Getränk nach Freiburg. Marktlücke entdeckt: Melanie und Franck Ahipo bringen ein westafrikanisches Getränk nach Freiburg.

In Freiburger Kiosken und Cafés fällt ein neues Getränk auf: tiefrot, auf dem Etikett die Silhouette des afrikanischen Kontinents. Hisou. Natürlich, erfrischend und aus Hibiskus. Dahinter steckt das Ehepaar Franck und Melanie Ahipo.

Das Paar lebt seit Jahren in Freiburg: Melanie, 34, kommt aus dem Allgäu, Franck, 36, aus der Elfenbeinküste. Dort entstand auch die Idee. Aus getrockneten Hibiskusblüten wird in vielen westafrikanischen Ländern ein Erfrischungsgetränk hergestellt. Es ist dort als Bissap bekannt. Auf der Hochzeit einer Freundin vor etwa sieben Jahren waren durch den Bräutigam auch viele deutsche Gäste da. Natürlich wurde das Hibiskus-Getränk gereicht. „Die Deutschen haben das Getränk gefeiert. Wir haben gescherzt, dass wir das eigentlich auch in Deutschland haben müssten“, erzählt Franck Ahipo.

Die Idee existierte als Scherz. Auf Afrobeat-Festivals fiel ihnen auf: Es gibt kein einziges afrikanisches Getränk – nicht mal bei Afro Nation, dem größten Festival für afrikanische Kultur in Portugal. Selbst Afro-Shops bieten keine fertigen Getränke. Nicht in Paris, nicht in Barcelona. Getrocknete Hibiskusblüten werden zwar verkauft, sind aber auch oft vergriffen.

Hisou

Die Marktlücke war entdeckt. Jetzt musste eine eigene Rezeptur her. Das Getränk sollte die westafrikanische Diaspora ansprechen – und auch Europäern schmecken. „In der Elfenbeinküste kommt locker dreimal so viel Zucker rein“, sagt Franck Ahipo. Jede und jeder macht das Getränk etwas anders – verschiedene Aromen, Erdbeere, mal süßer, mal würziger. Ein Jahr lang tüftelte das Ehepaar. Am 23. Mai war es dann so weit: Die ersten Flaschen wurden von einer Firma im Schwarzwald abgefüllt. Ohne Visitenkarte und mit vollgepacktem Auto starteten sie den Direktvertrieb.

2880 Flaschen Hisou gibt es. Alle Afro-Shops in Freiburg wollten den Drink sofort. Aber auch einige Kioske, Cafés und verschiedene Dönerläden führen das Getränk inzwischen.

„Das Feedback ist sehr positiv. Die Inhaber sind neugierig und es schmeckt den Leuten“, sagt Melanie Ahipo. Das Problem: Durch die geringe Stückzahl müssen Melanie und Franck Ahipo ihr Produkt recht teuer verkaufen. „Diejenigen, die regionale Produkte unterstützen wollen, bieten Hisou auch jetzt schon an. Wenn’s dann mal läuft, wird es auch günstiger für die Betreiber.“ Drei bis vier Euro kostet Hisou für den Kunden.

Die beiden sind zuversichtlich: Die Afrobeat-Szene erlebt gerade einen Hype – in Clubs, aber auch im Internet. Davon soll Hisou profitieren. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen Afrika mit etwas Positivem verbinden. Viele denken bei Afrika nur an Flüchtlingsbewegungen. Dabei bietet die Kultur so viel mehr: Sport, Essen, Musik – und eben auch Getränke“, sagt Franck Ahipo.

Das Basisrezept hat einen Hauch von Vanille und Minze, schmeckt fruchtig-säuerlich. Und was ist es eigentlich? Ein Softdrink? Saft? Oder doch Tee? Bei den Schöpfern herrscht Unsicherheit. „In der Elfenbeinküste sagen alle Saft dazu, aber genau genommen ist es Eistee“, meint ­Melanie Ahipo. „Alles, was flüssig ist, ist Saft“, sagt Franck Ahipo. Na dann: Prost!

Fotos: © David Pister; Hisou