Freiburg bei Start-ups unter den Top Ten – DIGIZ stärkt Uni-Klinik als Gründungsstandort / Käpsele-Festival mit Rekord? Start-ups | 16.03.2026 | Jannis Jäger
Das Käpsele-Festival soll 2026 noch einmal wachsen.
Am Universitätsklinikum Freiburg entsteht mit dem Digitalen Innovationszentrums (DIGIZ) eine neue Schnittstelle zwischen Medizintechnik, Digitalisierung und klinischer Patientenversorgung. Das Land Baden-Württemberg fördert das Vorhaben mit 25 Millionen Euro. Der Aufbau einer Forschungs- und Entwicklungseinheit soll noch in diesem Jahr beginnen. Die Inbetriebnahme des DIGIZ ist für das Jahr 2030 geplant. Damit baut das Klinikum auch seine Rolle als Wirtschaftsstandort aus.
„Wir stärken gezielt die Infrastruktur und die Vernetzung von Forschung, Versorgung und Unternehmertum“, erklärt Frederik Wenz, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. Man schaffe damit außerdem noch bessere Bedingungen für innovative Start-ups in Freiburg.
Für das Klinikum bedeutet das Projekt einen strategischen Entwicklungsschritt. Investiert werden soll etwa in hochmoderne bildgebende Diagnostik, leistungsfähige IT-Infrastruktur sowie qualifiziertes Fachpersonal. „Das DIGIZ ermöglicht es, klinische Exzellenz, moderne Medizintechnik und datengetriebene Innovationen mit KI systematisch zusammenzuführen“, so Wenz.
Ein zentrales Element des Projekts ist die Zusammenarbeit mit der Industrie: Am Standort Freiburg werden Siemens Healthineers und dessen Tochterunternehmen Varian angesiedelt, wie das baden-württembergische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus bekannt gab.
Das DIGIZ soll darüber hinaus aber Raum für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen bieten – darunter auch solche, die sich aus der Sphäre des Universitätsklinikums selbst heraus gründen. Die unmittelbare Nähe zum Campus gilt dabei als entscheidender Vorteil: Kurze Wege erleichtern den Austausch zwischen Forschung, klinischer Anwendung und industrieller Entwicklung.
Unter dem Namen „Industry on Campus“ bildet das Uni-Klinikum eine gute Anschlussmöglichkeit und ein ideales Umfeld für Unternehmen. Hier bieten sich ihnen Zugang zu klinischer Expertise, klinischen Daten und modernster Infrastruktur. „Gerade junge Unternehmen profitieren von diesem geschützten Raum und von unserem hohen Digitalisierungsgrad – bundesweit gehören wir hier zur Spitzengruppe und sind auch international sehr gut aufgestellt“, erklärt Wenz.
Ein gutes Beispiel ist die „Emuno Therapeutics GmbH“, eine Ausgründung des Universitätsklinikums und der Universität Freiburg. Das Start-up arbeitet an einem neuen Wirkstoff zur Unterstützung des Immunsystems bei der Krebsbekämpfung, insbesondere bei fortgeschrittenem Darmkrebs. Anfang 2025 wurde das Unternehmen mit einer Fördersumme des European Innovation Council (EIC) in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro ausgezeichnet.

Mit dem DIGIZ entsteht am Uni-Klinikum eine neue
Schnittstelle zwischen Klinik, Forschung und Wirtschaft.
Das Uni-Klinikum baut mit dem DIGIZ perspektivisch seine Standortvorteile für junge Unternehmen weiter aus. „Freiburg zählte laut Start-up-Verband bereits 2025 zu den zehn gründungsstärksten Städten Deutschlands“, so Wenz. „Das ist auch ein Ergebnis der engen Verzahnung von Spitzenmedizin, exzellenter Forschung und einer seit Jahren starken Gesundheitswirtschaft.“
Aus der Perspektive der Landesregierung soll sich das DIGIZ zu einem Innovationsmotor entwickeln. Im Fokus stünden etwa Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, moderne Bildgebung und datenbasierte Präzisionsmedizin, wie aus einer Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums hervorgeht. Das Land fördert damit gezielt den medizinischen Wirtschaftsstandort. „Das DIGIZ stärkt Baden-Württemberg als führenden Standort für digitale Gesundheitsinnovationen“, betont die Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Die enge Verzahnung von exzellenter klinischer Forschung mit industrieller Entwicklung beschleunige den Transfer von Innovationen in die Versorgung und den Markt.
Der Aufbau der Forschungs- und Entwicklungseinheit des DIGIZ soll noch in diesem Jahr beginnen. Damit etabliert sich das Universitätsklinikum Freiburg weiter als Forschungs-Hotspot. Im Herbst 2025 zählte das Klinikum bereits zu den forschungsstärksten Krankenhäusern Europas. Das geht aus einer Studie des Europäischen Patentamtes (EPA) hervor, die gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) erstellt wurde. Mit 369 europäischen Patentanmeldungen zwischen 2001 und 2020 belegt das Universitätsklinikum Freiburg in Deutschland Platz drei – und europaweit Platz sieben. Die Förderung, die nun vom Land Baden-Württemberg in das DIGIZ fließt, zahlt auf diesen Erfolg ein. Für Wenz wird durch die Studie eines noch einmal deutlich: Sie zeige schwarz auf weiß, dass Freiburg einer der innovativsten Medizinstandorte in Europa ist.
Dass Freiburg im medizinischen Bereich immer mehr zur Start-up-Schmiede avanciert, fügt sich in ein größeres Bild ein. Denn die Stadt und der Schwarzwald würden mehr und mehr „zu einem neuen Gravitationszentrum der deutschen Start-up-Szene“, wie es Florian Kech, Pressesprecher bei der IHK Südlicher Oberrhein, ausdrückt. Der Grund liege in einem besonderen Zusammenspiel von Spitzenforschung an renommierten Universitäten, einem innovationsoffenen Mittelstand und darauf aufbauende technologiegetriebene Gründungen aus Bereichen wie etwa KI oder Green Tech.
Draus entsteht insgesamt ein vorteilhaftes Klima für Gründer, das sich auch messen lässt – etwa im „Next-Generation-Report 2025“ des Start-up-Verbandes, der Freiburg deutschlandweit als eine der zehn besten Start-up-Standorte listet. Geprüft wurden dafür Neugründungen pro 100.000 Einwohner in 2025. Freiburg erreichte einen Wert von 10,9. Für den Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn kommt das nicht von ungefähr: „In den vergangenen Jahren haben die Stadt Freiburg und die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) gezielt die Gründungsinfrastruktur ausgebaut – beispielsweise mit Räumen wie der Lokhalle Freiburg, Grünhof und Baden-Campus sowie Beratungsangeboten“, schreibt Horn via Instagram.
Besonders sichtbar werden soll diese Entwicklung wieder beim dritten Käpsele-Festival, das am 16. Juli auf dem Freiburger Messegelände stattfindet. Das Festival ist Schaubühne sowie Networking- und Bildungsevent. Neben hochkarätigen Gästen wie Birte Hackenjos, CEO der Haufe Group, und Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender Siemens Energy und Daimler Truck, werden zahlreiche Gründerinnen, Talente und Investoren erwartet, um sich auszutauschen, Erfahrungen und Visionen zu teilen. Im vergangenen Jahr fanden sich über 1200 Gäste ein. Und die Veranstalter der FWTM sind zuversichtlich, in diesem Jahr noch eine Schippe drauflegen zu können: „Save the Date – das Käpsele 2026 wird größer denn je!“, lautet das Motto.









