»Positiv ausgewirkt« – Verbesserung nach Runden Tischen am Tanzbrunnen Gesellschaft | 20.12.2025 | Till Neumann

Magnet: Menschen ziehen nach Freiburg – nur wegen des Tanzbrunnens. Magnet: Menschen ziehen nach Freiburg – nur wegen des Tanzbrunnens.

Er ist der Magnet für Tanzende in Freiburg: der Brunnen zwischen Mensa und UB. Im vergangenen Jahr gab es dort Spannungen. Drei runde Tische wurden anberaumt. Was hat das gebracht? Tänzerin Hannah berichtet im chilli von einem neuen Miteinander, einem fantastischen Boden und der Sogwirkung dieses urbanen Spots.

Zentral gelegen: Der Tanzbrunnen mit neuem Boden

„Selbstbestimmt und autark“

Tausende tanzen dort. Und es werden mehr: „Die Begeisterung in der Stadt wächst weiter“, berichtet Hannah. Die Freiburgerin tanzt im Brunnen seit 2009. Am liebsten Brazilian Zouk: „Keiner möchte diesen Brunnen missen.“ Für sie ist er ein „absolutes Lebensgefühl“: Man treffe sich dort, trainiere und tanze – „kostenlos, draußen, frei, selbstbestimmt und autark“.

Da so viele Menschen mitmachen wollen, gab es 2024 Reibereien: Wer darf wann den Tanzbrunnen nutzen? (wir berichteten) Um das zu lösen, organisierten Engagierte drei runde Tische, spendenbasiert geleitet vom Freiburger Verein für Konstruktive Konfliktbearbeitung (KoKo e.V.).

„Extremer Fortschritt“

„Es hat sich super positiv ausgewirkt“, berichtet Hannah. Sie war bei allen Gesprächsrunden dabei und profitiert davon, dass ihre Brazilian-Zouk-Gruppe nun samstags einen Slot hat, gemeinsam mit Fusion Tanz und West Coast Swing. „Wir drei Szenen organisieren uns jetzt untereinander“, erklärt die 41-Jährige. So werde etwa abgestimmt, wer einen (Anfänger-)Workshop übernimmt und wie die Übergänge gestaltet werden. „Ein extremer Fortschritt“, freut sie sich.

Tanzt seit 2009 im Brunnen: Hannah aus Freiburg

Tanzt seit 2009 im Brunnen: Hannah aus Freiburg

„Die Idee des Brunnens, die uns alle verbindet, ist, dass es niederschwellig sein soll“, sagt die Tänzerin. Alle, die vorbeilaufen, können bestenfalls mitmachen. Frei organisiert und selbstbestimmt. Dass das funktioniert, freut sie. Erst recht, weil die einzelnen Tanzszenen sehr groß sind: „Man konnte sich am Schluss ja nicht einfach darauf einigen: ,So sind jetzt die Regeln, alle unterschreiben‘, da nie alle zusammenkommen.“ Tausende seien es mittlerweile. Allein im größten Chat, der Salsa-Bachata-Kizomba-Gruppe, seien es rund 2000 Menschen.

Neuer Boden

Hannah sagt: „Wir haben es sehr gut hingekriegt.“ Man versuche, sich gegenseitig zu helfen. Und dabei kommen auch neue Ideen auf. Mittlerweile gibt es eine Starlight-Pre-Work-Session für Brazilian Zouk von 6.55 bis 8 Uhr morgens. „Da sieht man mal kurz irgendwie irritierte Gesichter auf der Straße, doch die fangen oft auch schnell an zu lächeln – schon hat das Pre-Work gewirkt.“ Ihre Gruppe sei so in to it, dass auch im Herbst weiter getanzt werde.

Ein Grund für die Euphorie ist zudem der neue Boden: „Viel, viel besser“, schwärmt sie. Er sei rutschiger, damit besser für Drehungen geeignet. Möglich gemacht haben ihn private Sammelaktionen: mit knapp 3000 Euro und vor allem die Hauptunterstützung der Stadt. Um optimal tanzen zu können und alles instand zu halten, werde oft gefegt.

„Alles ausgeblendet“

„Menschen zieht es nach Freiburg wegen des Brunnens“, berichtet Hannah. Sie ist heilfroh, dass dort kein Radparkhaus gebaut wurde, wie einst angedacht. Viele solcher gemeinsamer Interessen, auch rund um die Corona-Pandemie oder der Presse gegenüber, hätten die verschiedenen Szenen weiter verbunden. Manche fühlten sich im Brunnen zwar ein wenig wie auf dem Präsentierteller, weil es keine Bepflanzung gibt. Doch für sie zählt etwas anderes: „Es ist meist eine so schöne, familiäre Atmosphäre – da kann alles drumherum besser ausgeblendet werden.“

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Fotos: © wikimedia commons Andreas Schwarzkopf, privat