„Immer wieder überrascht“: Freiburgs Fahrradfundstelle ist voller Schätze – kaum einer wird abgeholt Kriminalität | 18.06.2026 | Till Neumann

Herr der herrenlosen Räder: Bojan Gardin Herr der herrenlosen Räder: Bojan Gardin

Bis zu 450 herrenlose Fahrräder stehen in einem Lagerraum an der Kaiserstuhlstraße. Viele davon waren mutmaßlich Diebesgut. Auch edelste Bikes warten in Freiburgs Fahrradfundstelle oft monatelang vergeblich auf ihre Besitzer·innen. chilli-­Redakteur Till Neumann hat den Betreiber gefragt, warum das so ist.

Sogar Carbonräder

Fernab vom Großstadttrubel geht’s an der Kaiserstuhlstraße in einen Hinterhof. Dass hier fast 500 Fahrräder in einem Lager stehen, erkennt man höchstens am kleinen Schild draußen. Zuständig für Freiburgs vielleicht größtes Raddepot ist Bojan Gardin. Der 43-jährige Sachgebietsleiter der Stadtverwaltung weiß: „Da sind wirklich hochwertige Räder dabei.“

Ein grünes E-Lastenvelo, ein strahlend weißes Rennrad, ein vollkommen intaktes E-Bike. Teils sogar Carbonräder lagern hier. Sie alle wurden im Freiburger Stadtgebiet gefunden und hier abgegeben. Sechs Monate können Besitzer·innen sie abholen. Passiert das nicht, werden sie in der Regel versteigert.

Nur ein Drittel wird geholt

„Wenn es hochkommt, werden vielleicht 30 Prozent der Räder abgeholt“, berichtet Gardin. „Wir sind selbst immer wieder überrascht, was alles stehen bleibt und dann eben zur Versteigerung oder Entsorgung kommt.“

Warum das so ist? „Ich denke, der Hauptgrund ist, dass die meisten Räder, vor allem die hochwertigen, versichert sind.“ Werde so eins gestohlen und man finde es nicht zügig, lasse man sich eine Bestätigung für die Versicherung ausstellen und kümmere sich um Ersatz. Es kann gut sein, dass das Rad danach hier auftaucht. Schließlich könne es dauern, bis ein gestohlenes Rad abgestellt, gefunden und abgegeben wird. „Auch mal zwei Monate“, sagt Gardin.

Warten auf Besitzer*innen: Viele hochwertige Räder in der Fundstelle

„Unfassbar eigentlich“

Das Lager ist randvoll: „Sicherlich ist Diebstahl eine der Ursachen.“ Das Rad werde gebraucht, um von A nach B zu kommen, dann einfach liegen gelassen. Zwei andere Erklärungsansätze hat er: Feiernde haben schlicht und einfach vergessen, wo sie ihr Rad abgestellt haben. Und manchen sei es einfach nicht wichtig, wo ihr Rad bleibt.

Bei den Luxusbikes ist das aber unwahrscheinlich. Bojan Gardin ist selbst manchmal stutzig: „Unfassbar eigentlich: Wie kann ein so wertvolles Rad einfach nicht vermisst werden?“

„Einfach gut aufpassen“

Für Fahrradfans ist das eine Schnäppchen-Chance. Regelmäßig versteigert die Stadt Freiburg die Räder. Seit 2025 auch online. „Die Nachfrage ist hoch, die Erfolgsquote lag bei den letzten Versteigerungen bei 100 Prozent“, berichtet Gardin. Dabei erlebt er auch Kurioses: Zuletzt hat ein Käufer aus Potsdam ein altes Rad für 80 Euro ersteigert. „Das war ein besonderer Rahmen aus den 80ern, der Kunde war wahnsinnig happy.“

Wer ein besitzerloses Rad im Stadtgebiet findet, ist verpflichtet, es zu melden, so Gardin. Lagern könne man es für die sechs Monate auch bei sich zu Hause. Wer ein Velo meldet, kann ankreuzen, ob er Finderlohn möchte. Besteht man darauf, bekommen die Besitzer·innen es nur zurück, wenn sie den bezahlen. Bojan Gardins Wunsch an die Bevölkerung, um nicht noch mehr Räder lagern zu müssen: „Einfach gut auf seine Sachen aufpassen.“

Online-Versteigerung

Die nächste Online-Auktion mit Fundrädern startet am 2. Juli ab 18 Uhr auf sonderauktionen.net . Die Räder sind bereits einsehbar.

Geöffnet ist die Radfundstelle nur zweiwöchentlich donnerstags: 8 bis 12 Uhr & 13.30 bis 15.30 Uhr.

Foto: © Till Neumann