Nach dem Brand zu Besuch in der WG Schliengen Land & Leute | 13.02.2024 | Dorothea Wenninger

Innerhalb des Containers

Nach dem verheerenden Großbrand in der Winzergenossenschaft ­Schliengen vergangenen September packen Mitarbeiter und Vorstand den Wiederaufbau engagiert an.

Wir wollen nach vorne schauen.“ Dieser Satz kommt Vorstand Michael Lämmlin als Erstes über die Lippen, wenn er nach den Auswirkungen des Großbrandes gefragt wird, der in der Nacht vom 11. auf den 12. September 2023 die Produktionsgebäude der Ersten Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim weitgehend zerstört hat. Ende Februar soll wieder ein Stück Normalität einkehren, wenn die im Moment auf mehrere Orte verteilte Verwaltung in die Füllungshalle einziehen kann. Dort sind die Füllmaschinen ausgebaut und zur Reparatur außer Haus gebracht worden. Nach der Reinigung der Halle werden mobile Raumeinheiten für die Büros aufgestellt.

Während das Tagesgeschäft in der Disposition die ganze Zeit eins zu eins weitergeführt werden konnte, geht im technischen Bereich und im Keller gar nichts. Der Weinkeller ist komplett leer geräumt. Eine Woche nach der ersten Traubenanlieferung der neuen Ernte im September 2023 brach das Feuer aus. Es zerstörte das gesamte Flaschenlager im Umfang von über einer Million Flaschen. Der Wein in den Tanks und Barriquefässern hingegen blieb unberührt. Er wurde von zwei lebensmitteltechnischen Instituten beprobt, als nicht belastet bewertet und nach Breisach zur Abfüllung gebracht. Ein Großteil des Weinbestands konnte so ohne Qualitätseinbuße gerettet werden.

Wie durch ein Wunder hatte die neue Traubenannahmestelle aus dem Jahr 2022 den Brand unbeschadet überstanden, und so konnten die Winzer auch nach der Katastrophe ihre Trauben anliefern. Dafür allerdings musste der Kellermeister in einer logistischen Meisterleistung akribisch ausrechnen, wann wer wie viel anliefern konnte, damit nicht Unmengen von Erntegut den ganzen Betrieb blockierten. Da sich die Winzer mit viel Verständnis und Geduld darauf einstellten, klappten Trauben­annahme und -abtransport in den Badischen Winzerkeller nach Breisach reibungslos. Die Ernte sorgte für einen weiteren Lichtblick: Der Herbst 2023 brachte eine sehr gute Qualität ins Fass.

Ein Hoch auf die Improvisation: Für den Barverkauf wurde vor
der WG ein Container aufgestellt.

Ein Hoch auf die Improvisation: Für den Barverkauf wurde vor der WG ein Container aufgestellt.

Kurze Zeit nach dem Brandschaden erreichte die Schliengener eine erfreuliche Überraschung. Sie hatten zuvor erstmals acht Weine und zwei Sekte bei der AWC Vienna, der größten offiziell anerkannten Weinbewertung der Welt, eingereicht – und alle haben eine Medaille erhalten: sieben Gold- und drei Silbermedaillen. Diese Prämierung beflügelt die Winzer auf dem steinigen Weg durch den Wirrwarr des Umbaus.

Auch wenn im Moment die Erschütterungen vor Ort durch Mark und Bein gehen – Bagger reißen die Reste des langgestreckten zerstörten Produktionsgebäudes an der Bundesstraße nieder –: Das Team um den Ersten Kellermeister Michael Nußbaumer lässt sich nicht unterkriegen. Sogar die beiden Vorstände Siegfried Ernst und Michael Lämmlin sind beinahe täglich im Haus, um tatkräftig zu unterstützen und die zusätzlichen Aufgaben zu übernehmen, die durch die Katastrophe anfallen – und die könnten fast einen Vollzeitjob füllen.

Nußbaumer, der nun jeden Morgen schon um 6 Uhr auf der Matte steht, kommentiert die Situation folgendermaßen: „Wir haben die Flinte nicht ins Korn geworfen, sondern voll durchgeladen.“ Vielleicht haben auch die überwältigenden Wellen an Hilfsbereitschaft und die Solidarität von vielen Seiten, die die WG erfahren durfte, mitgeholfen, so kraftvoll durchstarten zu können.

Ab Anfang Mai jedenfalls soll Jung und Alt auf dem Hof der Winzergenossenschaft bei der „WeinZeit“ Gelegenheit haben, den Feierabend mit einem Glas Wein oder Sekt einzuläuten und sich von den Vereinen kulinarisch bewirten zu lassen.

Info

Erste Markgräfler
Winzergenossenschaft
Schliengen-Mülheim
Tel.: 07635 / 81120
www.sonnenstueck.de