Steuern mit Volldampf auf Vollbremsung zu – Trotz voller Auftragsbücher: Baubranche in Südbaden droht Kurzarbeit STADTGEPLAUDER | 19.04.2022 | Philip Thomas
Aus Mangel an Arbeitern: Rund die Hälfte der befragten Unternehmen würden geflüchtete Fachkräfte einstellen, ein Drittel auch Hilfskräfte.
Das Baugewerbe in Südbaden rechnet mit Kurzarbeit. Das machte der Vizepräsident der Handwerkskammer Freiburg, Christof Burger, auf einer digitalen Pressekonferenz Ende März deutlich. Grund dafür seien Materialengpässe sowie Preissteigerungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Das Energiepaket der Bundesregierung reiche laut Kammer-Präsident Johannes Ullrich für Unternehmen nicht aus.
„Die Handwerksfamilie steht zu allen Sanktionen und Maßnahmen“, betonte Ullrich – auch wenn die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine mittlerweile bei den Handwerksbetrieben angekommen sind: Eine Umfrage der HWK Freiburg unter rund 350 Betrieben ergab, dass fast jeder dritte vom Krieg in der Ukraine wirtschaftlich merklich betroffen ist. Für 13 Prozent seien die Auswirkungen „massiv“, bloß knapp jeder fünfte Betrieb (18,2 Prozent) spüre die Ereignisse in Osteuropa ökonomisch „gar nicht“.
Neun von zehn Unternehmen verzeichneten im März steigende Energie-, Material- und Rohstoffkosten – im Mittel um die 50 Prozent, aber auch Verdopplungen der Preise wurden gemeldet. Besonders betroffen seien Metalle, Dämm- und Kunststoffe, Holz, Elektronik-Komponenten sowie Beton und Naturstein. „Das wirkt sich natürlich auf die Kalkulation der betroffenen Betriebe aus. Wie genau, wird sich erst noch zeigen müssen“, so Burger, selbst Bauunternehmer.
Baustahl in großen Mengen sei praktisch nicht mehr zu bekommen, die Situation auf Baustellen sei stellenweise dramatisch. „Wir steuern mit Volldampf auf eine Vollbremsung zu“, betont Burger. Trotz voller Auftragsbücher drohe der Baubranche Kurzarbeit: „Das werden wir verstärkt sehen.“ Und bald seien weitere Branchen betroffen: Getreide, Tiererzeugnisse, Lacke, Gips, Desinfektionsmittel, Kosmetik. Ullrich nimmt die Politik in die Pflicht: „Das Energiepaket der Bundesregierung ist zwar ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Gesellschaft, für die Unternehmen reicht das aber nicht aus.“
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