Nacktsein macht ihn frei – Freiburger lädt zu „Demo-Wanderung“ ohne Klamotten ein Szene | 23.02.2026 | Till Neumann
Am liebsten so: Der Freiburger Lehrer Ulrich Thomas Wolfstädter mag's ohne Klamotten.
Nudare Aude. Nacktheit wagen. So lautet die Devise des Lehrers Ulrich Thomas Wolfstädter. Für den 7. Juni lädt der Freiburger zu einer Demo durch den Sternwald ein. Der 49-Jährige verbindet damit ein politisches Anliegen.
Sind Klamotten etwas Schlechtes? „Auf gar keinen Fall“, sagt Wolfstädter. Kleidung sei wichtig, wenn sie eine Funktion hat. Zum Beispiel zum Schutz vor Kälte. „Wenn sie keine Funktion hat, dann muss ich mir die Kleidung vom Leib reißen.“ So fühle er sich frei, könne der sein, der er ist – ganz ohne Scham.
Schon als Kind ging es ihm so: „Das wusste ich schon als Zweijähriger, es steckt schon immer in mir drin.“ Da das jedoch nicht immer akzeptiert werde, litt er viele Jahre. Als der Leidensdruck zu groß wurde, outete er sich. So um 2016. „Ich habe mir gesagt, ich muss mich nicht mehr verstecken.“ Also blieb er in ungewöhnlichen Situationen nackt: beim Wandern zum Beispiel. Oder bei der Gartenarbeit.
„Dadurch habe ich viel mehr Freiheiten gewonnen“, sagt Wolfstädter. Mittlerweile hat er zwei Bücher veröffentlicht. Er nennt sich Philosoph und ist Aktivist. 2025 veranstaltete er am Weltnudistentag (7. Juni) eine Demo-Nacktwanderung in Rottweil. Dort kamen rund 15 Menschen, berichtet er. Das gleiche Format plant er nun für Freiburg. Am 7. Juni ab 14 Uhr geht es ab dem Waldhaus-Parkplatz durch den Sternwald.

Demonstration: Im Juni soll es so durch den Freiburger Sternwald gehen.
Mit „Minimum 50 Personen“ rechnet Wolfstädter. Aber es könne auch weit darüber hinausgehen. Eingeladen sind alle, die dafür aufgeschlossen sind. Wer möchte, kann auch in Klamotten mitlaufen.
Schiefe Blickt sind selten
Wolfstädters Ziel: „Ich möchte Nacktheit normalisieren.“ Wo es okay sei, nackt zu sein, das sei Aushandlungssache: „Rauchen war beispielsweise früher auch überall gängig – ob am Bahnhof, im Restaurant oder im Auto.“ Ähnlich sehe er es mit der Nacktheit, nur eben andersrum. Sie soll Raum bekommen: „Nicht gerade in der Kirche oder im Kaufhaus oder der Fußgängerzone, aber beispielsweise im Park, im Garten oder im Wald.“ Vorbehalte und Ängste sollen abgebaut werden.
In Freiburg ist er gerne im Sternwald, dem Mooswald oder am Landwasser-Stadtrand unterwegs. Im Stadtgebiet war er mit einem TV-Team vom „Stern“. „Das hat sehr gut funktioniert“, berichtet Wolfstädter. In aller Regel begegne er freundlichen Menschen, die zurückgrüßen. „Ich bin einfach als Mensch unterwegs.“ Kritik oder beschämte Blicke erlebe er seltener.
Mit der Nacktdemo will er Menschen helfen, die vor Repressalien Angst haben: „Viele lassen sich abhalten, weil es immer wieder zu Bußgeldern kommt.“ Er fordert, dass der Paragraph 118 (Belästigung der Allgemeinheit) aus dem Gesetz über Ordnungswidrigkeiten hier nicht mehr zur Anwendung kommt.
Nackt zu sein bedeutet für ihn, „frei ich selbst zu sein – ein einzigartiges Glück“. Seine Demo plant er „taktisch klug“ nicht im Stadtkern, sondern im Wald. „Wir wollen niemanden belästigen, aber auch nicht unsichtbar sein.“
So geht es ihm auch als Lehrer. Ob er nackt unterrichte? „Natürlich nicht.“ Dennoch verlange die Schulbehörde von ihm, seine Haltung als Nudist nicht im Unterricht zu zeigen. In seiner idealen Welt würde es für die Qualität des Unterrichts keine Rolle spielen, ob er Klamotten trage oder nicht. „Aber so weit sind wir gesellschaftlich noch nicht.“
Mehr Infos zur Demo: nudare-aude.com









