Frauenstimmen zu Vinyl-Beats – Freiburg lädt zur 39. Auflage des Literaturgesprächs 4Literatur & Kolumnen | 07.11.2025 | Erika Weisser
Über einen Mangel an Lesungen oder literarischen Performances und Festivals können sich Freiburger Bücherfreunde nicht beklagen: Da gibt es eine sehr rege Stadtbibliothek, eigene literarische Formate in den Stadtteilen, viele hier lebende Autoren, die ihre Werke regelmäßig in der von verschiedenen Institutionen organisierten Reihe „Freiburger Andruck“ zu Gehör bringen. Einer der Andruck-Protagonisten ist das Literaturhaus, dessen Team gerade mit Hochdruck dabei ist, dem vom 6. bis 9. November stattfindenden Freiburger Literaturgespräch den letzten Schliff zu geben.
Schon zum 39. Mal geht dieses international besetzte und beachtete Forum über die Bühnen des Historischen Kaufhauses, des Winterer-Foyers im Stadttheater und natürlich des Literaturhauses selbst. Unter dem gleichermaßen auffordernden wie rätselhaften Motto „Such den Namen des Windes“ kommen hier elf Autorinnen und Autoren miteinander und mit fünf Profi-Moderatoren ins Gespräch. Über die „grenzüberschreitende Vielfalt der aktuellen Literatur“, wie das Programm verspricht.
Sprachliche, politische und Genregrenzen überwindet etwa die Kanadierin Rachel Cusk, die eigens aus Paris anreist. Sie eröffnet das Festival am Donnerstag mit ihrem Roman „Parade“ – in einer zweisprachigen Lesung mit ihrer Freiburger Kollegin Annette Pehnt. Auch Olga Martynova gehört zu diesen Grenzgängerinnen: In ihrem heuer mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichneten Lyrik-Band, der das Motto für die ganze Veranstaltung liefert, führt sie imaginäre Gespräche mit ihrem verstorbenen Mann. In Begleitung der Literaturkritikerin Beate Tröger ist sie am sehr eng getakteten Samstag mit von der überwiegend weiblichen Partie.
Frauen sind in diesem Jahr in der absoluten Mehrheit: Die einzigen Autoren sind Ozan Zakariya Keskinkiliç mit seinem Erstling „Hundesohn“ und Matthias Jügler, der mit der Anthologie „Wir dachten, wir können fliegen“ die Abschlussmatinee am Sonntag bestreitet. Zusammen mit Iris Wolff, Daniela Dröscher und Katerina Polodjan.



Vielstimmige Events: Nach Eröffnung des 39. Freiburger Literaturgesprächs im Historischen Kaufhaus gibt es ein spannendes Programm, das Iris Wolff, Matthias Jügler und Daniela Dröscher mit Lesungen über seltsame Tiere beschließen.
Die beiden Männer bekommen indes Verstärkung: Durch den Bamberger DJ Scratch Dee, der am Freitagabend die Lesung der Lyrikerin Nora Gomringer aus ihrem Debütroman „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“ mit passenden Vinyl-Beats ergänzt. Und durch den Literaturvermittler Thomas Geiger, der am Samstag außer Keskinkiliçs Auftritt auch die Lesung der Basler Autorin Dorothee Elmiger aus „Die Holländerinnen“ moderiert.
Am selben Tag übernimmt Annette Pehnt noch einmal die Rolle der Moderatorin: im Gespräch mit Katerina Polodjan über ihren Roman „Goldstrand“, der von Odessa aus quer durch ein Jahrhundert und durch ganz Europa führt. Hernach treten außerdem noch Heike Geißler mit „Verzweiflungen“ und Daniela Dröscher mit „Junge Frau mit Katze“ auf. Begleitet von Miriam Zeh und Beate Tröger. Ein vielstimmiger Frauenchor also – mit wenigen männlichen Einlagen.











