Grüezi: Blick aus der Schweiz 4Literatur & Kolumnen | 16.01.2022 | Beat Eglin

Schweiz

Beat Eglin lebt in Muttenz bei Basel. Fürs REGIO Magazin schaut er sich regelmäßig im Dreiländereck um. Hier berichtet er über kleine Geplänkel unter Nachbarn.

Sind Sie zufrieden mit Ihren Nachbarn? Man kann sie sich in den meisten Fällen nicht aussuchen und darf sich glücklich schätzen, wenn die nachbarschaftliche Beziehung funktioniert. Das heisst aber nicht, dass man sich jeden Monat oder gar jede Woche gegenseitig zur Grillparty oder zum Racletteabend einladen muss. Das erzeugt einen Druck, der zu Reibereien führen kann. Meistens bleibt es bei einem ungezwungenen Schwatz im Treppenhaus. Und gegen ein spontanes Gläschen auf der Veranda hat dann kaum jemand etwas einzuwenden. Das ist in den meisten Fällen gut so. Man hat dann nicht den Zwang, eine Beziehung führen zu müssen, die man gar nicht will. Es führt eher zu Unfrieden, wenn eine Partei penetrant Einladungen durchsetzen will und andere dies nicht möchten, aber keine Form finden, um höflich nein zu sagen.

Beat Eglin

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Kleine Geplänkel werden in Mehrfamilienhäusern oft in der Waschküche ausgetragen. Viele Schweizer sind in diesem Bereich sehr empfindlich. Und der Abwart trägt manchmal noch dazu bei, dass sich die Lage nicht unbedingt entschärft. Nach Gebrauch der Maschinen wurde zu wenig gründlich geputzt. Der Chromstahl glänzt nicht so, dass man sich drin spiegeln kann, und die Reinigung des Filters wurde vergessen. Das halbe Fell der Kätzchen des Tierliebhabers hängt noch drin. Ihn stört es nicht, wenn er die feinen Härchen in seiner Wäsche findet. Aber für den Mitbewohner, der nach ihm wäscht, ist dies ein Grund, um das Kriegsbeil auszugraben und ernsthaft über die richtige Form der Reklamation nachzudenken. Und wenn dies nicht zum ersten Mal passierte – dann ist Feuer im Dach.

Wenn sich Leute über Kleinigkeiten aufregen, sage ich ihnen, sie sollen am Abend im Fernsehen die Nachrichtensendung anschauen und überlegen, in welches der erwähnten Länder sie auswandern möchten. Nachbarländer sind ausgeschlossen. Die Leute werden dann nachdenklich und die vermeintlich grossen Probleme werden plötzlich ganz klein und unbedeutend.

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