Kontrovers (18): An der Eschholzstraße werden 40 Autoparkplätzen zurückgebaut Kontrovers | 03.08.2026 | Till Neumann
An der Eschholzstraße werden 40 von insgesamt 90 Autoparkplätzen zurückgebaut. Das Rathaus begründet das vor allem mit mehr Sicherheit für Radfahrer. Informiert hatte die Verwaltung den Bauausschuss im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung. Gewerbetreibende kritisieren nicht nur die schlechte Kommunikation. Ein Pro und Kontra.
Sichere Radwege retten Leben
Paul Daum (VCD) begrüßt den Umbau

In der Eschholzstraße lebten Radfahrende bislang mit einem Risiko, das sich leicht vermeiden lässt: Wer knapp an parkenden Autos vorbeifährt, riskiert bei jeder unachtsam geöffneten Tür einen Sturz oder musste in den fließenden Verkehr ausweichen. Dooring-Unfälle zählen zu den gefährlichsten Situationen im Radverkehr. Der neue Schutzstreifen schafft hier endlich den Abstand, der bisher gefehlt hat. Dies ist bei modernen Straßenplanungen längst Standard und für eine Radvorrangroute das absolute Minimum – die Eschholzstraße als Teil der Radvorrangroute FR3 ist hier keine Ausnahme.
Ein entscheidender Punkt wird oft übersehen: Die Eschholzstraße ist eine zentrale Hauptverkehrsachse für Rettungsdienste der Uniklinik und die Feuerwehr. Weniger Ein- und Ausparkvorgänge beruhigen den Verkehrsfluss. Und bei Stau sind es breite, nicht zugeparkte Radwege, über die Einsatzfahrzeuge im Ernstfall am schnellsten durchkommen oder auf die Autofahrende ausweichen können, um eine Rettungsgasse in der Mitte der Fahrbahn frei zu machen.
In der Debatte wird oft so getan, als habe die Stadt die Pflicht, öffentlichen Raum für Autos bereitzustellen, und das am besten kostenlos. Doch öffentlicher Straßenraum ist knapp und kostbar. Er gehört allen Bürgerinnen und Bürgern. Wenn der Platz nicht ausreicht, muss die Stadt Prioritäten setzen: Sicherheit, Gesundheit und effiziente Raumnutzung sind wichtiger als die Bequemlichkeit einer Minderheit. Zudem stehen in privaten Tiefgaragen im Stühlinger durchaus Stellplätze zur Verfügung. Viele davon bleiben jedoch ungenutzt, weil das Parken auf der Straße bisher bequem und günstig war.
Gerade im Stühlinger greift das Argument, Autofahrende würden „im Regen stehen gelassen“, überhaupt nicht. Der Stadtteil gehört zu den am besten erschlossenen Quartieren der Region: Fast alle Straßenbahnlinien der Stadt durchqueren den Stadtteil, die Buslinie 14 fährt direkt auf der Eschholzstraße und der Hauptbahnhof ist nur wenige Gehminuten entfernt. Außerdem gibt es in den Querstraßen zur Eschholzstraße dutzende Carsharing-Stationen sowie zahlreiche Leihräder. Wer Wege nicht zu Fuß oder mit dem Rad erledigen kann, findet hier ein dichtes Netz an Alternativen.
Ja, die Parkplatzsuche mag bislang für manche bequemer gewesen sein. Doch Bequemlichkeit ist kein Grundrecht – Schutz vor Verletzung und Tod dagegen schon. Mit einer bekannten Gefahrenstelle zu warten, bis jede Bequemlichkeitsfrage geklärt ist, kostet im Zweifel Menschenleben. Wer möchte, dass Freiburg lebenswert bleibt und Menschen auf klimafreundliche Mobilität umsteigen, muss sichere Infrastruktur schaffen. Der Umbau der Eschholzstraße ist ein längst überfälliger Schritt für mehr Sicherheit und Lebensqualität für alle.
Paul Daum,
für die VCD Ortsgruppe Freiburg
Es fehlen Alternativen
Kai Veser (Freie Wähler) sieht darin eine Gängelung

In der Eschholzstraße setzt die Stadt derzeit den Wegfall von rund 40 Parkplätzen um. Fast die Hälfte der bisherigen Stellplätze verschwindet. Die entscheidende Frage bleibt jedoch unbeantwortet: Wo sollen die Fahrzeuge künftig parken?
Schon heute ist die Parkplatzsuche für viele Menschen ein tägliches Ärgernis. Anwohner suchen oft lange nach einem freien Stellplatz. Handwerker, Pflegedienste und Lieferverkehre verlieren wertvolle Zeit. Gewerbetreibende sind darauf angewiesen, dass Kunden, Mitarbeiter und Dienstleister ihre Betriebe erreichen können.
Wer Parkplätze streicht, beseitigt diese Probleme nicht. Er verlagert sie lediglich in die umliegenden Straßen. Für die Freien Wähler gilt ein einfacher Grundsatz: Erst praktikable Alternativen schaffen, dann Einschränkungen beschließen. Genau diese Reihenfolge vermissen wir in der Eschholzstraße. In Freiburg entsteht zunehmend der Eindruck, dass nicht nur Parkplätze, sondern der Autofahrer selbst zum politischen Feindbild geworden ist.
Wer auf sein Fahrzeug angewiesen ist, fühlt sich immer häufiger als Störfaktor statt als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer. Dabei nutzen viele Menschen ihr Auto nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil ihr Alltag ohne Auto oft nicht funktioniert. Nicht jeder kann mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Handwerker, Pflegedienste und Lieferverkehre werden ihre Aufgaben auch künftig nicht mit dem Lastenrad erledigen.
Viele Bürger haben den Eindruck, dass ihre Bedürfnisse in der Verkehrspolitik immer weniger berücksichtigt werden. Besonders problematisch ist die Reihenfolge. Erst werden Parkplätze abgebaut, anschließend wird über mögliche Alternativen gesprochen. Vernünftig wäre das Gegenteil. Wer fast die Hälfte der Stellplätze einer Straße streicht, sollte vorher erklären können, wie die wegfallenden Kapazitäten ersetzt werden. Genau diese Antwort bleibt die Stadt bislang schuldig.
Auch größere Bewohnerparkgebiete lösen das Problem nicht. Ein größeres Parkgebiet schafft keinen einzigen zusätzlichen Parkplatz. Es verteilt lediglich den bestehenden Mangel auf eine größere Fläche. Niemand bestreitet, dass Freiburg sichere Wege für Radfahrer und Fußgänger braucht. Gute Verkehrspolitik muss jedoch die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Die Freien Wähler stehen für eine Politik mit Augenmaß statt für Maßnahmen, die Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausspielen.
Wer Parkplätze abbaut, muss vorher Lösungen schaffen. Alles andere ist keine Lösung, sondern die Verlagerung eines Problems. Freiburg braucht keine Verkehrspolitik des Gegeneinanders, sondern pragmatische Lösungen für alle. Dafür stehen die Freien Wähler.
Kai Veser,
Fraktionsvorsitzender Freie Wähler Freiburg









