Neuer Anlauf an der Quäkerstraße – Familienheim startet Beteiligungsprozess Bauen & Wohnen | 09.09.2026 | Lars Bargmann
Familienheim-Quartier in der Wiehre: Die Genossenschaft hat hier rund 350 Wohnungen. Und auch Platz für Nachverdichtungen. Der Streit entzündete sich an der Quäkerstraße 1-9 (rote Markierung).
Die Baugenossenschaft Familienheim Freiburg hat nach einem fünf Jahre dauernden Moratorium den Prozess um die künftige Bebauung rund um die Quäkerstraße in der Wiehre gestartet. „Ja, wir haben unserer Vertreterversammlung mitgeteilt, dass wir ein Konzept auf den Weg bringen, das die Leitziele für unsere bestehenden Wohnungen, aber auch für die gewünschte Nachverdichtung festlegen soll“, sagt Vorstand Alexander Ehrlicher auf Anfrage der Redaktion.
Die Genossen wollen ihre Mitglieder „mit partizipativen Elementen“ eng einbinden, um für das Quartier zwischen Adalbert-Stifter-, Dreikönig-, Türkenlouis-, Prinz-Eugen- und Grillparzerstraße bis zum kommenden Frühjahr ein zukunftsfähiges Konzept zu erarbeiten. Dafür haben sie eigens ein auf partizipative Prozesse spezialisiertes Büro eingeschaltet.
Bis Ende 2028 soll das städtebauliche Konzept stehen. Dann ein Fahrplan erstellt werden, der etwaige Sanierungen und auch Neubauten eintaktet. Die Familienheim hat in diesem Quartier insgesamt 350 Wohnungen mit rund 20.000 Quadratmetern Wohnfläche.
Der Vorstand, seinerzeit mit Ehrlacher und der inzwischen in den Ruhestand gegangenen Anja Dziolloß, wollte ursprünglich ein Mehrfamilienhaus an der Quäkerstraße 1–9 abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Grund war ein Gutachten aus August 2017, das eine Sanierung des in den 50er Jahren gebauten Gebäuderiegels als unwirtschaftlich eingestuft hatte. Der Vorstand reichte den Bauantrag ein.
Es kam zu heftigen Widerstand einer Initiative aus Bewohnern – also Mitgliedern – und Martin Horn, der sich im OB-Wahlkampf 2018 auf die Seite der Initiative „Wiehre für alle“ geschlagen und dann als gewählter Oberbürgermeister das städtische Amtsblatt dafür genutzt hatte, den Vorstand der Genossenschaft auf offener Bühne zu kritisieren.
Nachkriegsgebäude mit schlechter Bausubstanz waren seinerzeit in anderen Stadtteilen – etwa durch die Freiburger Stadtbau GmbH oder auch den Bauverein Breisgau – deutlich geräuschloser durch nachhaltigere ersetzt worden. Nachdem das Rathaus sodann mit einer sozialen und baulichen Erhaltungssatzung gedroht hatte, einigte man sich schließlich – einfach mal fünf Jahre lang gar nichts zu machen. Die sind jetzt vorbei.
Beim neuen Konzept soll es um die soziale Zusammensetzung im Quartier gehen, um genossenschaftliche Interessen, städtebauliche Qualitäten, Investitionen in den Klimaschutz, eine zukunftsfeste Wärmeversorgung, zusätzlichen Wohnraum – das ist auch das Interesse von Horn und Baubürgermeister Martin Haag – und natürlich um die Wirtschaftlichkeit. „Den Charakter des Quartiers bewahren und zusätzlichen Wohnraum schaffen“, gibt Ehrlacher die Richtung vor. Platz für Neubauten gibt es jedenfalls in den raumgreifenden Innenhöfen.
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