Vertrauen ist besser – Symposium und Festakt zu 80 Jahre Unmüssig-Gruppe in Freiburg Bauen & Wohnen | 15.09.2026 | Lars Bargmann

Stolz auf 80 Jahre Familienunternehmen: Peter Unmüßig Stolz auf 80 Jahre Familienunternehmen: Peter Unmüßig

Vertrauen, Verantwortung, Verlässlichkeit. Mit dieser V-Trilogie begeht die Freiburger Unmüssig-Gruppe heuer ihr 80-jähriges Bestehen. Gefeiert wird am 18. September morgens mit einem Symposium im Historischen Kaufhaus und abends mit einem Festakt im ehemaligen OBI-Markt in St. Georgen.

Das Symposium ist mit Lars Feld, Jutta Steinruck, Dieter Salomon und Firmenchef Peter Unmüßig durchaus profund besetzt. Die frühere Sozialdemokratin Steinruck war von 2009 bis 2017 Mitglied des Europäischen Parlaments und von 2018 bis 2025 Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen am Rhein. Dort also, wo die Unmüssig-Gruppe das ehemalige Postbankgebäude revitalisiert hat und alle 16.400 Quadratmeter für 20 Jahre an die Stadtverwaltung vermietet hat.

„Steinruck hat pragmatisch und durchsetzungsstark gezeigt, wie die öffentliche Hand mit der privaten Bauwirtschaft etwas Gutes auf die Beine stellen kann“, sagt Unmüßig. Wenn die Kommunen klamm sind, dann kämen sie nur mit Fremdkapital voran. In vielen Rathäusern würden die Verantwortlichen damit fremdeln, in Ludwigshafen nicht.

Lars Feld war von 2011 bis 2022 Mitglied der sogenannten Wirtschaftsweisen, zuletzt als deren Vorsitzender. Er gilt als einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland, ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Freiburger Universität und Direktor des hiesigen Walter-Eucken-Instituts. „Feld ist der Exponent der ordoliberalen Wirtschaftspolitik, die exakt meiner Geisteshaltung entspricht“, sagt Unmüßig. Die soziale Marktwirtschaft habe in der halben Welt Wohlstand gebracht. Auch wenn auch sie nicht ohne jede Schwäche sei.

Und mit Dieter Salomon kommt nicht nur der frühere Freiburger Oberbürgermeister und amtierende Geschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein aufs Podium, sondern vor allem der Vorsitzende des Normenkontrollrats Baden-Württemberg, der sich für den Bürokratieabbau einsetzt. Der Staat müsse den Bürgern mehr vertrauen und erst mal unterstellen, dass sie den Staat nicht betrügen wollen. Wenn sie ihn aber doch betrügen, was immer wieder vorkommt, dann muss man das sehr hart sanktionieren, hatte er der Redaktion in einem Interview kurz nach seinem Amtsantritt gesagt.

„Das ist genau das, was ich auch denke“, so Unmüßig. Vertrauen sei nicht umsonst das erste V in der Trilogie. Ohne Vertrauen in die handelnden Personen gäbe es die Unmüssig-Gruppe vielleicht gar nicht. Und hätten sich Helmut Kohl und Michail Gorbatschow nicht vertraut, „wäre es zur Deutschen Wiedervereinigung vielleicht gar nicht gekommen“. Das Misstrauen indes, das das Leben immer mehr „einkorsettiert“, habe katastrophale Auswirkungen auf Gesellschaften.

Die Subline zum Jubiläumsjahr lautet: „Vertrauen als Vermögenswert begreifen – Demokratie stärken“. Die Unmüssig-Gruppe hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder dafür stark gemacht, Menschen an die Wahlurnen zu bringen. Zitierte etwa in ganzseitigen Print-Anzeigen den ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher mit den Worten: „Europa ist unsere Zukunft – wir haben keine andere.“ Für Unmüßig ist die Demokratie die beste Staatsform. „Kreativität erwächst nur aus Vielfalt, aus Meinungsvielfalt, die gibt es nur in demokratischen Systemen.“

Auch darüber werde auf dem Symposium gesprochen. Wenn es nach ihm ginge, dann müsse der alte Slogan „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ umgeschrieben werden. Vertrauen ist besser.

Foto: © Baschi Bender