670 Millionen für die Energiewende – 30 Jahre Grünes Emissionshaus business im Breisgau | 19.07.2026 | Holger Schindler

Bürgerwindpark Südliche Ortenau: Die technische und kaufmännische Betriebsführung liegt in den Händen vom Grünen Emissionshaus Bürgerwindpark Südliche Ortenau: Die technische und kaufmännische Betriebsführung liegt in den Händen vom Grünen Emissionshaus

Im Jahr 1996 steckte die Energiewende, heute ein Riesenthema für Politik und Gesellschaft, noch in den Kinderschuhen. Windkraft galt als Nischentechnologie, Photovoltaik als teuer – von einem breiten Ausbau konnte weder beim einen noch beim anderen Energieträger die Rede sein.

In dieser Phase gründete der gelernte Bankkaufmann Heinrich Röder gemeinsam mit zwei Partnern in Freiburg das Grüne Emissionshaus – mit der festen Überzeugung, dass Wind- und Sonnenenergie in der Zukunft eine wesentlich größere Rolle bei der künftigen Energieversorgung spielen würden. Das kam auch so, dennoch war die Firmengeschichte nicht immer ein Spaziergang im Park.

Am Anfang standen geschlossene Fonds als Kapitalsammelvehikel. Die Idee: Privatanleger beteiligen sich mit ihrem Geld an Wind- und Solarparks, das Unternehmen entwickelt Projekte, organisiert Finanzierung und Bau. Auf diese Weise flossen mehr als eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien. „Damals mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten“, erinnert sich Röder, der heute als Geschäftsführer und Mitgesellschafter weiterhin eine zentrale Rolle beim Grünen Emissionshaus mit Sitz im Freiburger Stadtteil Wiehre spielt.

Mit veränderten politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen wandelte sich auch das Geschäftsmodell. Vor allem eine Verschärfung der Vorschriften 2013 erzwang ein Umsteuern. Heute legt das Grüne Emissionshaus keine Publikumsfonds mehr auf. Stattdessen begleitet das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette von Windparks und Solarparks – von der ersten Standortidee über Genehmigungen und Finanzierung bis hin zu Bau, technischer Betriebsführung und kaufmännischem Management.

Das aktuell etwa 50-köpfige-Mitarbeiterteam vereint technisches, kaufmännisches und energiewirtschaftliches Know-how unter einem Dach. Seit der Gründung wurden Investitionen von rund 670 Millionen Euro in Wind- und Solarprojekte mit insgesamt etwa 450 Megawatt Leistung initiiert.

Ein wachsendes Geschäftsfeld ist das Wind- und Solarparkmanagement. Dahinter verbirgt sich weit mehr als die reine Überwachung von Anlagen. Das Unternehmen sorgt dafür, dass Wind- und Solarparks wirtschaftlich und technisch optimal betrieben werden, koordiniert Wartungen, überwacht Erträge, organisiert Reparaturen, erstellt Abrechnungen, kommuniziert mit Investoren und Behörden und achtet darauf, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden.

Ein Meilenstein war der Einstieg des regionalen Energieversorgers Badenova. Seit 2016 hält die Badenova-Tochter Wärmeplus 50 Prozent der Anteile, die anderen 50 Prozent hält weiterhin Röder. Fürs Grüne Emissionshaus bedeutete die Beteiligung zusätzliche Stabilität und regionale Verankerung; für die Badenova den Zugriff auf jahrzehntelange Erfahrung bei Wind- und Solarprojekten.

Große Herausforderungen bei neuen Projekten sind heutzutage oftmals eine ausreichende Erschließung mit Wegen, die auch für schwere Bau- und Transportfahrzeuge befahrbar sind, sowie ein ausreichend dimensionierter Netzanschluss. Müsste hier erst noch viel investiert werden, wird es rasch unwirtschaftlich.

Insgesamt betreuen die Freiburger heute 22 Windparks in Deutschland mit einer Gesamtleistung von rund 330 Megawatt, einen Windpark in Frankreich mit knapp 14 Megawatt sowie vier Solarparks in Bayern und Thüringen mit zusammen rund zwölf Megawatt.

Foto: © Ettenheimer Bürgerenergie / Joscha Bold