Gebäude mit Geltung – Freiburg feiert 30 Jahre Konzerthaus business im Breisgau | 16.07.2026 | Lars Bargmann

Vollbesetzter Rolf-Böhme-Saal: Längst nicht nur Heimat für Klangkörper Vollbesetzter Rolf-Böhme-Saal: Längst nicht nur Heimat für Klangkörper

Viel Feind, viel Ehr“, der berühmte Spruch des süddeutschen Landsknechtsführers Georg von Frundsberg passt auch zum Konzerthaus Freiburg, in dem am 28. Juni, genau 30 Jahre nach der Eröffnung des Hauses, mit geladenen Gästen gefeiert wurde. Denn Feinde hatte das Haus viele. Was die wenigsten wissen: Dort, wo jetzt das Konzerthaus steht, sollte ursprünglich ein Sheraton-Hotel gebaut werden.

Es gibt im Staatsarchiv Freiburg dieses eine Foto, das den damaligen Oberbürgermeister Eugen Keidel bei der Unterzeichnung eines Vertrags zum Bau eines Sheraton-Hotels zeigt. Die Aufnahme ist vom 16. Dezember 1981. Viel mehr lässt sich dazu nicht finden. Der Hotelbau war aber nur ein Dominostein in Keidels Plänen. Ein Kongresshaus hatte er auch bereits im Sinn, es sollte über die Bahngleise gebaut werden.

Es war mithin schon der Vorgänger von Rolf Böhme, der Keidel 1982 als OB nachfolgte, der für die Stadt ein Kongresshaus erdacht hatte. Aber es war dem Geschick und der Kraft des Polit-Profis Böhme zu verdanken, dass das Konzerthaus 1996 eröffnet wurde.

Und es war auch ein 28. Juni, im Jahr 1988, an dem der Freiburger Gemeinderat den Bau des Hauses beschlossen hatte. Nur zwei Tage nach dem Bürgerentscheid, dem ersten in der Geschichte der Stadt Freiburg. Den die Gegner zwar mit 36.439 zu 29.289 Stimmen deutlich gewonnen hatten, der aber um mickrige 3000 Stimmen das Quorum verfehlt hatte. 3000 Gegner mehr, und es hätte keinen Festakt gegeben, denn dann wäre der Gemeinderat an den Bürgerentscheid gebunden gewesen.

„Böhme musste das Konzerthaus nicht erfinden, aber er hat noch am Abend des Bürgerentscheids die Fraktionsspitzen motiviert, zwei Tage später den Plan schnell in trockene Tücher zu bringen“, erinnert sich Bernd Dallmann, der langjährige Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM), die das Haus betreibt.

Es gab während des Baus nicht nur einen Tag, an dem Dutzende schwer geschützte Polizisten die Baustelle bewachten und auf der anderen Straßenseite beim Weinschlösschen Dutzende Demonstranten mit leeren Bierflaschen gegen den Metallzaun klopften und eine kitzlige Geräuschkulisse erzeugten.

16. Dezember 1981: Eugen Keidel unterzeichnet den Vertrag zum Bau eines Sheraton-Hotels am heutigen Konzerthaus-Standort.

16. Dezember 1981: Eugen Keidel unterzeichnet den Vertrag zum Bau eines Sheraton-Hotels am heutigen Konzerthaus-Standort.

Aus Gegnern wurden im Laufe der Zeit Freunde des Hauses, Atai Keller etwa, langjähriger Kult-Stadtrat und Subkulturschaffender. Oder auch ­Tobias ­Hauser, der Macher der Mundologia, die jedes Jahr 20.000 Menschen ins Konzerthaus lockt und damit die besucherstärkste Veranstaltung dort feiert.

5,4 Millionen Besucher und mehr als 11.000 Veranstaltungen hat die FWTM seit der Eröffnung gezählt. Zu den berühmtesten Persönlichkeiten, die im Konzerthaus sprachen, zählen Papst Benedikt XVI., der französische Staatspräsident Jacques Chirac, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Jean-Claude Juncker und Bundespräsident Johannes Rau. Oder auch die Künstler Lang Lang, Anne-­Sophie Mutter, Helene ­Fischer, ­Montserrat Caballé, BAP, Bonnie Tyler, Jamie ­Cullum und Peter Maffay.

„Das Konzerthaus bringt Menschen aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, genau das macht seine Stärke aus“, sagte Oberbürgermeister Martin Horn bei der 30-Jahr-Feier. Und es trage dazu bei, Freiburg als lebendige, weltoffene und zukunftsorientierte Stadt weit über die Region hinaus sichtbar zu machen. Der bei der Feier ebenfalls anwesende Architekt Dietrich Bangert hatte mit seinem Entwurf den Wettbewerb gewonnen.

Und das Haus ist auch nach 30 Jahren immer noch sehenswert – außen und innen. Den Festaktgästen führten die FWTM-Geschäftsführer Jens Mohrmann und Katharina Schirmbeck vor, wie sich der Rolf-Böhme-Saal in wenigen Minuten von einem Konzertsaal in einen Bankettsaal verwandeln kann. Da fahren dann die seitlichen Tribünen weg, die große Bühne wird angehoben und gibt den Blick frei in die Untermaschinerie  – beeindruckend. „Die flexible Struktur ist der Schlüssel zum Erfolg: Das Haus kann sich immer wieder neu verwandeln – je nach Veranstaltung, Publikum und Anlass“, so die viel gelobte Chefin des Hauses, FWTM-Abteilungsleiterin Daniela Stobert.

Wer heute noch gegen das Konzerthaus wäre, dem müsste man Starrsinnigkeit oder Realitätsverweigerung unterstellen. Ohne dieses Haus wäre Freiburg ärmer: an Vielfalt, an Strahlkraft, an Geld ausgebenden Gästen, an Relevanz im Kongressgeschäft, an internationalen Stars, an konzertanter Champions-League. Warum der Bau des Sheraton-Hotels am Ende gescheitert ist, war nicht zu erfahren. Dass er gescheitert ist, ist gut für Freiburg.

Fotos: © Tobias Friedrich; Landesarchiv Baden-Wuerttemberg, Staatsarchiv Freiburg, W 140 Nr. 12832, Bild 1 (5-803131-1)