Angriffe auf die Diversität – WVIB-Befragung mit gemischtem Ergebnis business im Breisgau | 26.11.2025 | David Pister

Diverse Menschen

Chancengleichheit in der Krise? Während in den USA Trump Diversity-Programme verbietet, setzen Unternehmen in Südbaden weiter auf Vielfalt ­doch auch hier wächst die Unsicherheit.

Mit einem dicken Filzstift beendete Donald Trump sämtliche Programme zur Förderung von Vielfalt und Inklusion in US-Behörden. Auch Unternehmen stehen unter Druck, Programme für Diversität, Gleichstellung und Inklusion (DEI) abzubauen. Per Dekret erklärt Trump DEI-Initiativen für verfassungswidrig. Sein Argument: Sie benachteiligten weiße, mittelalte Männer. US-Riesen wie Starbucks, Ford und Walmart haben ihre Maßnahmen eingedampft. Auch deutsche Unternehmen in den USA wie VW und die Deutsche Telekom reduzieren ihre Programme.

Der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (WVIB) hat gefragt, wie seine Mitgliedsunternehmen dazu stehen – oder, frei nach Goethe: „Nun sag, wie hast du’s mit der Diversität?“

Die Grundhaltung ist positiv: 60 Prozent sehen Diversity-Programme als echten Gewinn. Ein gutes Drittel ist neutral eingestellt, nur 5 Prozent sehen ein wirtschaftliches Risiko. Auch jenseits der harten Fakten gibt es Zustimmung: 44 Prozent halten entsprechende Programme für grundsätzlich sinnvoll, 28 Prozent sogar für unverzichtbar. 12 Prozent stuften sie als überflüssig ein – nur 2 Prozent lehnen sie komplett ab.

Wibke Backhaus, seit Januar Leiterin der Abteilung Gleichstellung, Diversität und akademische Personalentwicklung an der Universität Freiburg, zeigt sich besorgt über die Entwicklungen in den USA: „Die Angriffe auf Diversität betreffen ganz direkt Universitäten und damit auch Kolleginnen und Kollegen in den USA, die in ähnlichen Bereichen arbeiten wie ich. Das ist ein Angriff auf zentrale Prinzipien: auf die Wissenschaftsfreiheit, auf Minderheitenrechte.“ Nicht nur die USA machen ihr Sorge. Auch hierzulande sieht sie Tendenzen, die sich gegen Diversität richten.

Laut WVIB-Umfrage fürchten viele Unternehmen, durch zu viel Vielfaltspolitik als „zu woke“ zu gelten. Manche setzen bewusst nicht auf den Begriff „Diversity“, obwohl sie Vielfalt fördern wollen. „Diversity meint Vielfalt“, sagt Backhaus, „vielleicht verunsichert gelebte Vielfalt auch, weil plötzlich Menschen mitreden, die vorher nicht gehört wurden. Vielfalt soll oft bequem sein, aber das ist sie nicht immer. Das gehört zu solchen Veränderungsprozessen dazu.“

An der Uni sei das Thema weniger polarisiert. „Kritik gibt es eher an mangelnder Umsetzung von Di­versity-For­derungen als an der Idee selbst“, sagt Backhaus. Die Umfrageergebnisse bewertet sie grundsätzlich positiv: „Die Unternehmen stehen zu ihren Werten. Es geht um Chancengerechtigkeit, es geht um Diskriminierungsschutz. Das ist gerade eine wichtige Botschaft, da sehr klar zu sein und auch klar zu sagen, was das heißt.“

Mit mehr als 15.000 Mitarbeitenden ist das Universitätsklinikum die größte Arbeitgeberin in Freiburg. Angelika Zimmer ist schon seit 2004 Beauftragte für Chancengleichheit – seit 2022 ist auch das Thema Diversity bei ihr angesiedelt. Wie die Universität hisst auch das Uniklinikum die Regenbogenfahne.

Neben der Sichtbarkeit nach außen sei auch die Kommunikation nach innen wichtig. Der Runde Tisch „Chancengleichheit und Vielfalt“ bündelt bestehende Initiativen und gibt Impulse. Menschen aus 106 Nationen arbeiten am Uniklinikum: „Wir waren schon immer vielfältig. Es geht uns als Unternehmen darum, ein diskriminierungsfreies Universitätsklinikum zu schaffen“, so Zimmer.

Der Aufstieg der AfD, polemische Äußerungen und Angriffe auf queere Menschen bereiten ihr Sorge. „Ein Blick in die USA, aber auch in unser unmittelbares Umfeld zeigt, wie zerbrechlich die Vielfalts-Bemühungen sein können und wie wichtig es ist, dafür einzustehen“, sagt Zimmer.

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