»Dramatischer Rückgang«: Blumenläden haben auch in Freiburg zu kämpfen business im Breisgau | 06.08.2025 | Till Neumann

Trotzen der Krise: Susanna Martin (l.) und Jana Alter von Blumen Maja Trotzen der Krise: Susanna Martin (l.) und Jana Alter von Blumen Maja

Fast 10.000 Florist·innen haben in den vergangenen 20 Jahren aufgegeben. Das hat der Fachverband Deutscher Floristen gemeldet. Zu schaffen macht ihnen die Konkurrenz von Gartencentern und Supermärkten. Trifft das auch Freiburg? Hier kämpft die Branche vor allem mit Nachwuchssorgen. Ein Laden zeigt aber: Das Geschäft kann dennoch florieren.

„Ständige Steigerung“

107 Euro haben Deutsche im vergangenen Jahr im Schnitt für Blumen ausgegeben. Ein Euro mehr als im Vorjahr. Trotz des Booms hat der Einzelhandel zu kämpfen. Gartencenter haben mittlerweile mehr als 50 Prozent Marktanteil. Zudem bieten auch Supermärkte immer mehr Rosen, Tulpen und Co. an – zu günstigen Preisen. Klassische Blumenläden sind nur noch für ein Drittel der verkauften Blumen verantwortlich.

Infolgedessen schließen immer mehr von ihnen. Doch bei Blumen Maja in Freiburg ist die Konkurrenz kein Thema. „Wir vergleichen uns nicht mit einem Supermarkt“, betont Inhaberin Jana Alter. Seit 20 Jahren führt sie das Geschäft auf dem Friedrich-Ebert-Platz – und spürt sogar einen Aufwärtstrend: „Wir haben stets und ständig eine Steigerung für unseren kleinen Laden.“

„Muss Liebe haben“

Die Gründe liegen für die 59-Jährige auf der Hand: „Wir achten immer auf Qualität und gehen mit dem Trend.“ Bei ihnen gebe es Beratung, keine Bundware und Kundenwünsche würden flexibel erfüllt. 364 Tage im Jahr hat das Geschäft offen. Viel Engagement, Zeit und Energie stecken da drin, erklärt Alters Tochter Susanna Martin. Die 35 Jahre alte Floristin betont: „Man muss Liebe für den Job haben, die Stunden zählt man nicht.“

Fünf Leute arbeiten im Team. Fünf weitere könnten sie gebrauchen, berichtet Martin. Doch Nachwuchs zu finden, ist schwierig. Denn auch wenn Kreativität gefragt ist, man müsse anpacken, arbeite viel im Stehen. Zudem sei die Schule für Floristik-Azubis von Freiburg nach Villingen verlegt worden. Das erschwere die Suche noch mehr.

„Ungelöste Nachfolge“

Von einem „dramatischen Rückgang“ der Ausbildungsbetriebe im Breisgau spricht auch Anette Stetter. Sie ist Ausbildungsberaterin bei der IHK in Freiburg. Vor vier Jahren habe es hier zwölf Floristik-Ausbildungsbetriebe gegeben. Jetzt seien es noch vier. Den Wandel der Branche kann sie bestätigen: „Da fast alles teurer geworden ist, verzichten Konsumenten am ehesten auf Luxusgüter, zu denen auch Blumen gehören.“ Floristen würden oftmals nur noch zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Beerdigungen aufgesucht. „Spontane Blumeneinkäufe werden seltener, verlagern sich häufiger in Super- oder Wochenmärkte.“

Auch IHK-Innenstadtberater Thomas Kaiser erkennt ein Aussterben der Branche. Er sieht vier Knackpunkte: „Alter der Inhaberschaft, ungelöste Nachfolgeprobleme, konkreter Standort des Unternehmens, gestiegene Energiekosten – insbesondere zur Kühlung der Frischeware.“

„Klopfen auf Holz“

Für Jana Alter ist die Nachfolge kein Thema. Ihre Tochter Susanna Martin ist bereits im Betrieb. Die beiden sind guten Mutes, weiter zu bestehen. „Wir klopfen auf Holz und sind dankbar“, betont Alter. Dafür wollen sie auch mit der Zeit gehen: Martin kümmert sich um Social Media. Sie betreiben mehrere Blumenautomaten. Und Lieferungen werden auch mal per Radkurier ausgefahren. 

Fotos: © Till Neumann