Einfacher, schneller, günstiger – Bauverein Breisgau fordert bessere Bedingungen für Neubau business im Breisgau | 17.07.2025 | David Pister
Wenig Neubau, viele Investitionen in den Bestand: So fällt die Bilanz des Bauvereins Breisgau (BVB) für das vergangene Jahr aus. 49 Millionen Euro an Mieten nahm die Baugenossenschaft ein, davon blieb – nach Steuern – ein Überschuss von etwa sieben Millionen Euro. Das reiche zwar, aber aus Sicht des BVB sei der Bodensatz erreicht. Jetzt müsse die Politik auf sie zukommen.
Der BVB sendet bei seiner Bilanz 2024 deutliche Signale: „Der Wohnungsbau ist überreguliert“, sagt Vorstandsvorsitzender Marc Ullrich. Die Rahmenbedingungen müssten sich grundlegend ändern – einfacher, schneller, günstiger werden. Entsprechend sind die Investitionen in den Neubau rückläufig. Insgesamt investierte der Bauverein im vergangenen Jahr 24,2 Millionen Euro – davon 10,6 Millionen Euro in die Schaffung von neuem Wohnraum. Deutlicher Schwerpunkt war im vergangenen Jahr ein anderer: 13,5 Millionen Euro flossen in den Erhalt des 5116 Wohnungen umfassenden Bestands.
Hat die Baugenossenschaft 2023 noch 29,19 Euro pro Quadratmeter für energetische Sanierung ausgegeben – schon da eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr –, waren es im vergangenen Jahr 40,25. Auch in den nächsten Jahren soll deutlich mehr in die Dekarbonisierung des Gebäudebestands investiert werden. Die energetischen Investitionskosten belaufen sich bis 2045 auf insgesamt 134 Millionen Euro.
In den Bestandswohnungen liegt die durchschnittliche Miete bei 7,77 Euro pro Quadratmeter, in den Neubauwohnungen bei 10,06 Euro pro Quadratmeter. Beide Werte sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. „Wenn Bauen immer teurer wird, können die Mieten nicht günstiger werden“, sagt Ullrich.

Spatenstich: In Herbolzheim sollen 30 Wohnungen entstehen, in Gundelfingen sind 25 schon fertig.
Der einzige rote Pfeil in der 2024er Bilanz betrifft das Investitionsvolumen in den Neubau. Und das in einem neuen Zeitalter nationaler und globaler Unsicherheit, wie der geschäftsführende Vorstand Jörg Straub hervorhebt: Die USA seien keine verlässlichen Partner, die politischen Ränder würden gestärkt, in Berlin scheiterte die Ampelkoalition. „Was politisch passiert, macht Planung unmöglich“, so Straub. Trotzdem sei die Baugenossenschaft stabil – die flüssigen Mittel bleiben mit 71,9 Millionen Euro auf hohem Niveau, die Mitgliedernachfrage hält an, und auch die Bilanzsumme wächst um 22,2 Millionen Euro deutlich.
Insgesamt sei man zufrieden mit 2024. Höhere Erträge, aber eben auch deutlich höhere Aufwendungen. Unterm Strich reichen die etwa sieben Millionen Euro Jahresüberschuss. „Damit können wir leben, mit viel weniger aber nicht. Der Bodensatz ist erreicht“, sagt Straub. Jetzt brauche es die Politik in Freiburg: „Wir spüren, dass die Politik mehr auf uns zukommt.“ Zum Beispiel im neuen Stadtteil Dietenbach komme es darauf an, zu welchen Konditionen gebaut werden könne.
Bei der Bilanzpressekonferenz ging der Blick nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft. In vier aktuellen Projekten entstehen derzeit insgesamt 88 Wohnungen sowie sechs soziale Gewerbeeinheiten – darunter Kindertagesstätten und ambulant betreute Wohngemeinschaften: in Freiburg, in Gundelfingen, in Herbolzheim und in Gottenheim.
Am Naherholungsgebiet Grünesee in Herbolzheim feierte der Bauverein Breisgau kürzlich Spatenstich für den nächsten Bauabschnitt: Mit einem Investitionsvolumen von 12 Millionen Euro sollen dort 30 Wohnungen für 75 Menschen entstehen.
Während zwei der drei großen Baugenossenschaften in Freiburg – die Familienheim und die Heimbau – einen Aufnahmestopp haben, ist der Bauverein auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Knapp 26.000 Mitglieder hat die Baugenossenschaft – zwei Drittel davon wohnen in Freiburg. Und die Mitgliedernachfrage hält an – manche bekommen sie bereits zur Geburt von Eltern oder Großeltern geschenkt.
Fotos: © Bauverein Breisgau









