Energie clever nutzen: Elzacher setzt auf dynamischen Stromtarif business im Breisgau | 23.11.2025 | Till Neumann

Lädt den Wagen nur, wenn der Strom günstig ist: Philipp Schwab Lädt den Wagen nur, wenn der Strom günstig ist: Philipp Schwab

Schnäppchen schlagen. Seit Januar ist das auch beim Stromverbrauch möglich. Energieversorger müssen nun auch dynamische Tarife anbieten. Dabei zahlen Verbraucher·innen keinen Festpreis. Sondern das, was der Strom gerade an der Börse kostet. Ein Elzacher ist einer der ersten Kunden in der Region.

Strom-Pionier

Jemanden wie Philipp Schwab zu finden, ist kein Leichtes. Er hat einen dynamischen Stromtarif – und ist damit Pionier. Denn solche Tarife stecken in den Kinderschuhen. Bei der Badenova sind es so wenige Kunden, dass sie keine genaue Zahl nennt. Bei der EWS Schönau sind es laut Pressestelle rund 100. Einer davon ist Schwab, der seit dem Sommer in Elzach wohnt. Sein neues Zuhause hat er energetisch sanieren lassen: PV-Anlage, Wärmepumpe, Wallbox und neuer Stromkasten sind nun vorhanden. Genau wie ein Smartmeter – ein intelligenter Stromzähler – Grundvoraussetzung für einen dynamischen Tarif.

Der Vorteil für Schwab? Er kann Strom verbrauchen, wenn er günstig ist. Also dann, wenn Sonne und Wind viel Energie liefern und der Börsenpreis fällt. „Die letzten Tage hatten wir teilweise Preise, die bei 21 Cent pro Kilowattstunde lagen“, berichtet Schwab. Seine smarten Systeme laden dann automatisch den Photovoltaik-Speicher oder sein E-Auto. Der Tagesdurchschnittspreis an diesem Tag: 32 Cent pro Kilowattstunde.

„Speicher kennt Preise“

Zum Steuern der Geräte nutzt Schwab Apps am Handy: Dort kann er einstellen, ab welchem Strompreis geladen werden soll. Oder wie warm das Wasser im Haus ist. „Ein typisches Beispiel jetzt im Winter: Nachts ist viel Windstrom im Netz, aber wir schlafen und brauchen wenig Strom“, erklärt Schwab. „Unser Speicher ist so intelligent, dass er die Preise kennt und sich dann nachts auflädt.“ Wenn am Morgen Menschen duschen und Kaffee kochen, wird der Strom teurer. Genau wie am Abend. Dann senkt Schwab seinen Verbrauch oder greift auf den PV-Speicher zurück. Zu Spitzenzeiten kostet die Kilowattstunde um die 40 Cent.

Was in der Theorie einleuchtet, klappt noch nicht reibungslos. „Wir sind Versuchskaninchen“, sagt Schwab und lacht. Gemeinsam mit der EWS sammeln sie Daten und Erfahrungen. Das intelligente Laden seines E-Autos klappe noch nicht einwandfrei. Das programmiert er daher selbst. „Wir versuchen gemeinsam, das System ein Stückchen besser zu machen“, so Schwab, der Green Tech und erneuerbare Energien ein Hobby nennt.

Smarte Technik: Am Handy kann Philipp Schwab PV-Anlage, Wärmepumpe und allbox steuern. Und im Idealfall Geld sparen.

Smarte Technik: Am Handy kann Philipp Schwab PV-Anlage, Wärmepumpe und Wallbox steuern. 

Weniger Kohle und Gas

Den dynamischen Tarif zu nutzen ist für ihn ein „logischer nächster Schritt“. Nachhaltig und kostengünstig. „Wir müssen alle unseren Beitrag leisten, um die CO2-Emissionen runterzukriegen“, sagt der Elzacher. Jeder solle tun, was er kann. „Je weniger wir von fossilen Kraftwerken Kohle und Gas zuschalten müssen, desto günstiger wird der Gesamtstrom.“

Auch die EWS sieht das so: „Dynamische Stromtarife unterstützen die Energiewende“, schreibt der Ökostrom­anbieter. Der Tarif lohne sich besonders, wenn große Stromverbraucher wie Wärmepumpen, Heimspeicher oder E-Autos genutzt würden. Eine Beispielrechnung von EWS: Das Laden eines E-Autos (52 kWh) kostet bei günstigem Strom nachts 11,04 Euro. Am Nachmittag dafür 15,89 Euro. Wer zum Einheitspreis im klassischen Tarif lädt, zahle 14,36 Euro. Wichtig: Auch der dynamische Stromtarif hat einen monatlichen Grundpreis.

„Ein Gefühl“

Wie viel Geld sich so sparen lässt? Schwab kann es noch nicht abschätzen. „Im Moment ist es ein Gefühl, dass man weniger bezahlt.“ Das monatlich zu visualisieren fehle noch. Wohl auch, weil zu wenige das nutzen. In der Region kennt Schwab keinen anderen Haushalt mit dynamischem Tarif.

Eine Studie des Ökoenergieanbieters Naturstrom lässt aufhorchen: Sie rechnet vor, dass Haushalte mit dynamischen Tarifen bis zu 82 Prozent Ener­­giekosten sparen können. In Skandinavien scheint das bekannt. Dort sind solche Tarife weit verbreitet. Laut dem norwegischen Stromanbieter Tibber, spezialisiert auf dynamische Tarife, haben in Deutschland lediglich 2,8 Prozent der Haushalte ein intelligentes Messsystem. Grundvoraussetzung für den Tarif.

Teure Investition?

Der Umbau ist teuer: Das Umrüsten eines Hauses kostet schnell fünfstellig, rechnet Schwab vor. Ein Stromzähler gegen einen Smartmeter zu tauschen dafür nur ein paar hundert Euro. Die Dinge könnten sich ändern: Ab 2026 möchte die EWS den Tarif aktiv anbieten. 

Fotos: © Till Neumann