Kleineschholz – vorerst – ausverkauft: Auch Unmüssig mit an Bord Stadtentwicklung | 26.08.2025 | Lars Bargmann
Im „gemeinwohlorientierten“ Neubauquartier Kleineschholz sind alle Grundstücke theoretisch vergeben. Praktisch muss sich erst noch zeigen, ob alle Akteure, die den Zuschlag bekommen haben, auch wirklich bauen. Mit dabei ist nun auch die Unmüssig Bauträgergesellschaft. Wer nach gemeinwohlorientierten Bauträgern sucht, wird als Hauptverdächtigen nicht sofort nach Firmenchef Peter Unmüßig fahnden. Aber sein Konzept „Stadt|Land|Gut“ hat am Ende auch die Freiburger Politik überzeugt.
Es ist ein Herzensprojekt von Oberbürgermeister Martin Horn und auch von Baubürgermeister Martin Haag, die rund 500 neuen Wohnungen neben den beiden Rathäusern im Stühlinger. Und es ist ein Viertel, das viele Akteure auf den Plan gerufen hat, die sich auf dem freien Markt nur schwer Grundstücke sichern können.
So hat etwa das Mietshäusersyndikat mit gleich drei Projekten Grundstücke reserviert: Eines ist fürs Elinor-Ostrom-Siedlungsprojekt Haus 1, eins für die Gruppe Velohaven und eins für den Verein Birnbaum. Zwei Projekte, „LifeLab“ und „Wolke“, gehören zur Dachgenossenschaft Wohnen für Alle. Dazu wollen die Genossenschaften Oekogeno und „WMR – Wir machen Raum“ bauen. Und auch das kirchlich geprägte Siedlungswerk ist mit an Bord.
Ganz neu in Freiburg tritt die Gemeinschaftsstiftung Kolpingwerk Deutschland als Bauherrin auf, die Azubi-Wohnen mit sozialpädagogischem Begleitkonzept ins Quartier einbringt. Auch neu ist der Urbanova Club e.V., der den Fokus auf die Verbindung von bezahlbarem Wohnen und architektonischer Qualität legt. Und für die Aktion Mensch e.V. ist Kleineschholz ebenfalls das erste Bauprojekt in Freiburg. Sie plant in Kooperation mit der Oekogeno eG ein inklusives, generationenübergreifendes Wohnprojekt mit Café am Quartiersplatz, Pflege- und Assistenzbüros sowie gemeinsamem Innenhof beider Projekte.
Die Freiburger Stadtbau GmbH wird zwei Mehrfamilienhäuser für Beschäftigte im Konzern Stadt Freiburg bauen (wir berichteten). Und auch die BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) 45 mietpreisreduzierte Einheiten. Das höchste Haus am Quartierseingang an der Lehener Straße will die Genossenschaft „GrünHaus“ erstellen, die dort ein gemeinschaftliches und generationenübergreifendes, ökologisches Vorzeigeprojekt realisieren will.
Für das Marktgrundstück im Herzen des Quartiers werden Beckesepp und die Unmüssig Bauträgergesellschaft eine gemeinsame Gesellschaft gründen. An der sollen auch die Mieter als Kommanditisten beteiligt werden, womit die Anforderungen an die Gemeinwohlorientierung erfüllt seien, heißt es aus dem Rathaus. Ins Erdgeschoss ziehen ein Beckesepp-Supermarkt, ein inklusiv betriebenes Restaurant und ein Café. In den Obergeschossen entsteht zu 100 Prozent geförderter Mietwohnraum. Die Mieten in den Wohnungen werden 40 Jahre lang 40 Prozent unterm Mietspiegel liegen. Zudem erhält das Rathaus das Zugriffsrecht an mehreren Wohnungen zur Versorgung von Menschen aus der Wohnungsnotfallkartei.
„Auch die Firma Unmüssig als etablierter gewerblicher Akteur des Baugewerbes hat unsere Kriterien und Vorgaben akzeptiert und geht damit auch neue Wege. Es war mutig und richtig, an den Entwicklungszielen für das Quartier und der offenen Form der Konzeptvergabe festzuhalten“, sagt Haag.
Unmüßig kann überhaupt nicht verstehen, warum private Bauträger ausgeschlossen wurden: „Wenn es darum geht, Bedürftige möglichst gut und günstig unterzubringen, muss doch egal sein, wer das erreicht.“ Die zuweilen „ideologische Verkrampftheit“ der Freiburger Politik sei nicht gut für die Stadt.
„Kleineschholz hat einen ambitionierten sozialen, inklusiven und ökologischen Auftrag. Das war mir von Anfang an ein großes Anliegen. Mit so viel geballtem Pioniergeist sind wir auf dem richtigen Weg“, kommentierte Horn die Vergabe. Von den 500 neuen Wohnungen würden 300 sozial gefördert gebaut: „So gelingt es, dass unsere Stadt nachhaltig und lebenswert wachsen kann.“ Zudem sollen weitere 20 Prozent der Wohnfläche mietpreisreduziert sein. Nun müssen nur noch alle Bauwilligen auch die Finanzierungen für ihre Projekte stemmen.
Illustration: © Dietrich, Untertrifaller Architekten / Ramboll Studio Dreiseitl / Stadt Freiburg











