Zähes aus Zähringen – Warum das neue 1000-Wohnungen-Quartier stockt Stadtentwicklung | 01.09.2025 | Lars Bargmann

Neues Quartier in Zähringen - Luftaufnahme

Man schrieb den 21. Juli 2022. Um 7.31 Uhr landete eine Pressemitteilung in der Redaktion. „Neues Quartier in Zähringen – An der Gundelfinger Straße könnten 1.000 Wohnungen entstehen“, war sie überschrieben. Es geht um die etwa 14 Fußballfelder große Entwicklungsfläche westlich der Gundelfinger Straße mit der Markthalle Kohler auf der einen und dem Möbelhändler Mömax auf der anderen Seite. Viel getan hat sich seither nichts.

Auf die jüngste Anfrage der Redaktion meldet eine Sprecherin: „Mit den Planungen liegt die BO.L Projektentwicklung im Zeitplan und plant, den Auslegungsbeschluss im Jahr 2026 zu fassen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es allerdings noch immer zu früh, um über das Vorhaben berichten zu können.“

Die BO.L Projektentwicklung GmbH ist ein Joint Venture der blueorange Group und der Lüder Unternehmensgruppe aus Hildesheim. Ihr gehören rund 50.000 Quadratmeter oder sieben Fußballfelder auf dem Areal. Bereits seit 2017 verfolge man in Hildesheim „auf Grundlage der gemeinsam mit der Stadt Freiburg angestoßenen Planungen“, auf dem eigenen und dem benachbarten Grundstück ein komplett neues Quartier zu realisieren.

Mit 1000 Wohnungen, ein großer Anteil davon preisgebunden, Büros, Lebensmittel-Einzelhandel, Grün- und Freizeitflächen. „Wenn jetzt zeitnah die richtigen Entscheidungen mit dem Ziel einer Baugenehmigung getroffen werden, könnten hier bereits im Jahr 2026 die ersten Bewohner:innen einziehen“, erklärte seinerzeit Julian Siering von der BO.L.

Baubürgermeister Martin Haag hatte durch unsere Redaktion davon erfahren. Und sogleich die Erwartungen gedämpft: „Wir halten 600 bis 700 Wohnungen für realistisch. Auch weil wir bei dieser hohen Dichte und in dieser Lage besonderen Wert auf eine gute Versorgung mit öffentlichen Freiräumen legen müssen.“

Um die Fläche zu entwickeln, braucht es einen Bebauungsplan. Und um den zu bekommen, muss der Planungsbegünstigte 50 Prozent geförderten Mietwohnungsbau zusichern oder Flächen kostenlos an die Stadt abtreten. „Grundsätzlich möchten wir die 50 Prozent sehen, aber die Flächen­abtretung ist auch eine Möglichkeit“, bestätigt Haag.

Es habe zwischenzeitlich mehrere Gespräche gegeben, aber die andere Hälfte des Areals gehöre einem Unternehmen aus der österreichischen XXXLutz-Gruppe, zu der auch Mömax zählt. Ein Ersatzstandort fürs Möbelhaus ist bis heute ebenso wenig gefunden wie ein etwaiger Verkaufspreis an der Gundelfinger Straße. Aus Sicht der Stadt naheliegend wäre, wenn Mömax ein Grundstück an der Hermann-Mitsch-Straße kaufen würde.

Dort hatte die Freiburger S-Wirtschaftsimmobilien GmbH (FWI) im Juni 2020 von der Cerdia 160.000 Quadratmeter gekauft. Ausreichend Platz für Mömax wäre vorhanden. Allerdings ist direkt auf der anderen Straßenseite XXXLutz. Ob das die Österreicher standortstrategisch überzeugend fänden, bleibt abzuwarten.

Die 14 Fußballfelder im Norden der Stadt sind nicht die einzigen, bei denen seit Jahren mehrere hundert Millionen Euro darauf warten, investiert zu werden. Die Entwicklung des Ganter-Areals im Osten etwa kommt auch nur zäh in Bewegung. 

Foto: © Neithard Schleier