Von null auf 1,43 Milliarden Euro – Die S-Immo feiert 30-Jähriges business im Breisgau | 24.07.2025 | Lars Bargmann
Er führt die Firma in
die Zukunft: Oliver Kamenisch
Die Immobiliengesellschaft der Freiburger Sparkasse (S-Immo) war 1995 die erste Immobilien-Vertriebs-Gesellschaft der Sparkassen-Organisation in ganz Baden-Württemberg. Aus einem Ein-Mann-Betrieb mit dem Gründungsgeschäftsführer Thomas Schmidt ist heute ein 14-köpfiges Team um Geschäftsführer Oliver Kamenisch geworden. Das allein im vergangenen Jahr 147 Immobilien im Wert von 63,3 Millionen Euro an neue Eigentümer vermittelt hat.
„Die Herausforderung war, bei null anzufangen. Es gab keine Büroräume, keine Büromöbel, keinen Bleistift, keine EDV – nichts“, erzählt Schmidt rückblickend. Also führte er die ersten Bewerbungsgespräche einfach am Wochenende in der Lobby eines Hotels: „Das war schon abenteuerlich.“
Weil Schmidt die Immobilien immer in Farbe präsentieren wollte, kaufte er sich für 5000 Mark einen Farblaserdrucker von Rank-Xerox. Deren Deutschlandchef sei damals extra aus Frankfurt angereist, um zu sehen, wer denn da einen seiner modernen Drucker nutzt. Die S-Immo sei seinerzeit eines von nur fünf Unternehmen in Baden gewesen, das einen in der Anwendung hatte. Kamenisch schmunzelt: 30 Jahre später hat die Gesellschaft gar keinen eigenen Drucker: „Der ist geleast.“

Er hat die S-Immo gegründet: Thomas Schmidt
Pünktlich zum Jubiläum hat er den größten Auftrag in der Firmengeschichte bekommen: Aus einer Insolvenz – mit 15 Gläubigerbanken und Dutzenden privaten Gläubigern – haben er und sein Team jetzt rund 100 Immobilien in der Verwertung. Vom Wohn- und Geschäftshaus in der Freiburger Innenstadt über die Einzimmerwohnung in Emmendingen bis hin zu Einzelgaragen oder auch landwirtschaftlichen Flächen am Bodensee. „Das ist ein Puzzle mit 1000 Teilen, die wir im dunklen Keller zusammenbauen müssen“, berichtet er. „Sicherlich ein Highlight und eine große Herausforderung für uns.“
Von einer ordnungsgemäßen und nachvollziehbaren Aktenlage sind manche der Immobilien so weit entfernt wie der Bodensee von Freiburg. Ein gutes Stück Arbeit liegt vor dem Team. Ende 2026 will Kamenisch das weitestgehend abgearbeitet haben.
11,1 Millionen Euro, das war der Wert der vermittelten Immobilien im Gründungsjahr, schon ein Jahr später waren es 28,6 Millionen, 2006 dann 41,8 Millionen. Das bislang stärkste Jahr in der Geschichte war 2016, als die S-Immo für 82,2 Millionen Euro neue Eigentümer fand.
2015, 2016, das war die Zeit, als Schmidt zahlreiche Wohnungen auf dem Güterbahnhof in der Vermarktung hatte. „Wir waren im Auftrag eines Baden-Badener Investors die Ersten, die dort ab 2015 Wohnungen anboten. Zu einer Zeit, als die Immobilien-Nachfrage am Boden lag. Damals hatte ich mehr als nur eine schlaflose Nacht. Heute schreibe ich uns auf die Fahne, dass wir das Gebiet zum Laufen gebracht haben“, sagt Schmidt. Insgesamt brachte die S-Immo auf dem Güterbahnhof mehr als 300 Wohnungen an die Frau oder den Mann.
2017 übernahm dann Kamenisch die Kommandobrücke und setzte 2019 mit 58 Millionen ein erstes Ausrufezeichen. Im vergangenen Jahr waren es dann gut 63 Millionen. Tendenz steigend: Bis Ende Mai 2024 lag der Immobilienumsatz bei 23 Millionen, Ende Mai im laufenden Jahr schon bei knapp 31 Millionen.
Seit der Gründung am 1. Juli 1995 bis Ende Juni 2025 kann die S-Immo auf die Vermittlung von rund 5500 Immobilien im Wert von insgesamt etwa 1,43 Milliarden Euro verweisen. Die Gewinne der Gesellschaft wandern nicht in private Taschen, sondern werden an die Mutter, die Sparkasse, weitergereicht, die einen öffentlichen Auftrag wahrnimmt.
Dass die S-Immo auch ein guter Arbeitgeber ist, zeigt nicht nur Gertrud Emmler, die eins der Lobby-Bewerbungsgespräche bei Thomas Schmidt hatte und noch heute für die Firma arbeitet. Auch Nils Müller ist seit Herbst 1995 bei der S-Immo und feiert heuer sein 30-jähriges Betriebsjubiläum.
In die Zukunft blickt Kamenisch zuversichtlich. Nicht nur, weil er wieder Neubauvorhaben in Waldkirch (Sonnhalde), in Denzlingen (Wohnen in den Sommerhöfen) und Freiburg (Metzgergrün) im Portfolio hat.
Den „Bauturbo“ von der neuen Regierung setzt der Geschäftsführer allerdings in Anführungszeichen. Und neben mehr Tempo fordert der Diplom-Betriebswirt auch eine klarere Förderkulisse und die Verlässlichkeit, dass die zumeist vollmundig propagierten Fördertöpfe nicht schon ein paar Wochen nach dem Start wieder leer sind. „Sonst ist das eine Mogelpackung.“
Fotos: © privat, S-Immo











