Weiße Weste durch grünen Wasserstoff – Freiburg startet in die klimaneutrale Müllentsorgung business im Breisgau | 22.11.2025 | Jannis Jäger
Die Müllwagen der ASF tanken
am Eichelbuck zukünftig nachhaltig
produzierten Kraftstoff.
Eine neue H2-Tankstelle an der ehemaligen Deponie am Eichelbuck ermöglicht es seit kurzem, die Fahrzeuge der Freiburger Müllentsorgung klimaneutral zu betreiben. Der dazugehörende Elektrolyseur sorgt zusammen mit einer PV-Anlage für den benötigten Treibstoff. Ein ganzheitliches Konzept, das Signalwirkung haben soll.
Grüner Wasserstoff spielt in Zukunft eine größere Rolle für das Freiburger Gewerbe. Um ein Konzept für eine passende Wasserstoffinfrastruktur zu erstellen, unterstützt das baden-württembergische Umweltministerium die Stadt mit Fördergeldern. Außerdem fließen rund 4,5 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln in das Projekt „Hydrogen Valley Südbaden“. Mit Partnern aus dem Elsass und der Nordwestschweiz soll Wasserstoff als Energieträger für kleine und mittlere Unternehmen nutzbar gemacht werden, vor allem durch das Bereitstellen und Beschaffen von Infrastrukturkomponenten.
In Freiburg geht nun seit Oktober die städtische Müllentsorgung mit gutem Beispiel voran: Die Fahrzeuge der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) fahren bald allesamt mit grünem Wasserstoff. Ermöglicht wird das durch die gerade eröffnete H2-Tankstelle an der ehemaligen Deponie Eichelbuck bei Hochdorf. „Die Anlage ist so dimensioniert, dass der bestehende Fuhrpark für die kommunale Abfallsammlung zuverlässig versorgt werden kann und auch ein perspektivischer Ausbau der Flotte in den kommenden Jahren abgedeckt ist“, erklärt Linda Widmann, Pressesprecherin der Stadt Freiburg.
In der Bundesrepublik kommt Freiburg so eine Vorreiterrolle zu: Die komplette ASF-Flotte – also 22 Fahrzeuge – wird künftig mit Brennstoffzellen ausgerüstet sein. Damit ist Freiburg die erste Stadt, die ihren kompletten Abfall-Fuhrpark dergestalt umgestellt hat.
Der Bedarf der neuen Wasserstofftankstelle kann direkt vor Ort versorgt werden. Eine angeschlossene Elektrolyseanlage produziert grünen Wasserstoff mithilfe der eigens dafür errichteten Photovoltaikanlage auf dem Eichelbuck.
Oberbürgermeister Martin Horn bezeichnete sie bereits als Meilenstein für den eigenen Wasserstoffkreislauf. „Mit vereinten Kräften und Unterstützung aus Berlin gibt es jetzt eine Tankstelle vor Ort, die alle Müllsammelfahrzeuge bedienen kann“, so Horn in einer Pressemitteilung der Stadt.
Das gesamte Projekt kostete rund acht Millionen Euro. Davon stammen bisher drei Millionen Euro aus dem Zukunftsfonds der Stadt Freiburg, 600.000 Euro vom Land Baden-Württemberg, 500.000 Euro kommen aus dem „Hydrogen Valley Südbaden“-Projekt und 150.000 Euro aus dem Badenova-Innovationsfonds. Mit dem Wasserstoffausbau wollen Badenova, ASF und die Stadt ihrem Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, näherkommen.
Die im Gewerbegebiet Freiburg-Hochdorf angesiedelten Speditionsunternehmen profitieren vorerst nicht von der neuen Tankstelle. „Eine Nutzung durch Unternehmen im Gewerbegebiet Hochdorf oder andere externe Abnehmer ist aktuell nicht vorgesehen“, erklärt Pressesprecherin Widmann.

Gemeinsam für eine klimaneutrale Müllentsorgung (v.l.): Oberbürgermeister Martin Horn, ASF-Chef Michael Broglin Freiburgs Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit, ITG-Geschäftsführer Dieter Sommerhalter und Badenova-Vorstand Dirk Sattur.
Die H2-Tankstelle ist also erst mal kein Teil des Projekts „Grüner Wasserstoff im GIP Hochdorf“. Unter diesem Titel hatte die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg 2024 eine Analyse des Wasserstoffbedarfs der im besagten Gewerbegebiet angesiedelten Unternehmen durchgeführt. Die Untersuchung gibt hier einen perspektivischen Wasserstoffbedarf für den Betrieb von Lkws von bis zu 1300 Tonnen pro Jahr (geschätzt) an. Die Streck Transportgesellschaft mbH und Götz-Transport GmbH konnten als „Schlüsselkunden identifiziert“ werden, wie es im Abschlussbericht der Landesanstalt bezüglich der Konzeptionierung des Projekts heißt.
Die Unternehmen äußern sich dazu uneins. Lothar Götz, Chef der Götz-Transport GmbH, meint, aktuell habe er „keine Fahrzeuge mit Wasserstoff“ in der Flotte. „Grundsätzlich halten wir die Initiative für sehr sinnvoll und auch mittelfristig für eine echte Alternative zur E-Mobilität“, so Götz. „Speziell im Güterfernverkehr ist grüner Wasserstoff sehr sinnvoll und für uns eine echte Alternative, da wir davon überzeugt sind, dass die E-Mobilität im Güterkraftverkehr keine Lösung ist.“
Die Streck Transportgesellschaft lässt dagegen verlauten: Vor einigen Jahren sei man noch der festen Überzeugung gewesen, dass Wasserstoff ein wesentlicher Baustein in der Antriebstechnologie der Zukunft für Lkw sei. „Zum damaligen Zeitpunkt war die Batterietechnologie noch nicht annähernd so leistungsfähig wie heute und die nächsten Technologiesprünge sind bereits angekündigt“, sagt Geschäftsführer Gerald Penner, „daher sehen wir heute im Wesentlichen die Batterietechnologie als Antriebstechnik für Lkw und auch schwere Lkw.“ Penner verweist dafür auch auf die Prognosen und Produktionspläne der Hersteller, die damit rechnen, dass der überwiegende Teil der Lkw mit alternativem Antrieb bis 2030 batterieelektrisch sein werden.
Dennoch steht unterm Strich eine autark klimaneutral betriebene Müllentsorgung für die Stadt Freiburg. „Grüner Wasserstoff wird ein zentraler Baustein der Energiewende sein, da viele Energiebedarfe nur damit dekarbonisiert werden können“, meint Freiburgs Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit. „Dass wir nun den Startschuss dafür gegeben haben, diesen auch hier lokal zu produzieren, stimmt mich zuversichtlich.“








