»Wir können ins Risiko gehen« – SC Freiburg gründet Gremium und steht wirtschaftlich gut da business im Breisgau | 14.11.2025 | Philip Thomas

Die SC-Spitze auf der Bühne: Auf der MV gab es auch emotionale Debatten Die SC-Spitze auf der Bühne: Auf der MV gab es auch emotionale Debatten

Nach langem Dialog haben die SC-Mitglieder einer Satz­ungsänderung auf der jüngsten Mitgliederversammlung zugestimmt und die vakante Präsi­dentschaft mit dem Ehrenrat zu einem neuen Vereinsorgan verschmolzen. Die Debatten blieben emotional, die wirtschaftliche Bilanz blendend.

Der SC Freiburg ist auch neben dem Platz gut aufgestellt: Hinter der Saison 2024/25 steht ein Umsatz von 162,8 Millionen Euro (Vorjahr: 203,1 Millionen Euro). Das ist der höchste Erlös binnen einer Spielzeit ohne Europa-League-Teilnahme. Der Jahresüberschuss beträgt 11,8 Millionen Euro (Vorjahr: 40,8). „Das zeigt, dass wir auch nach dem erheblichen Wachstum der vergangenen fünf Jahre eine absolut intakte Einnahmen- und Ausgabenstruktur haben. Wir schaffen es, diese Balance hinzubekommen“, sagte Finanzvorstand Oliver Leki in der Freiburger Messe.

Der Bundesligist blickt mittlerweile auf ein Eigenkapital in Höhe von 163,7 Millionen Euro (Vorjahr: 151,9). „Das gibt uns enorme Handlungsfähigkeit. Wir können ins Risiko gehen und früh auf dem Transfermarkt aktiv werden. Das ist ein Wettbewerbsvorteil“, sagt Leki. Die Ticketeinnahmen gingen von 26,7 Millionen Euro auf 21,1 Millionen Euro zurück. „Das liegt daran, dass wir keinen europäischen Wettbewerb hatten“, erklärt Leki. Die beiden Spielzeiten trennen zehn Spiele in der Europa-League. Eines der fünf Heimspiele dürfte dem SC demnach rund eine Million Euro am Kartenstand beschert haben. Gleichzeitig stiegen die Werbeeinnahmen von 24,4 Millionen auf 25,2 Millionen Euro.

Schulden bei einer Bank habe der Sport-Club nach wie vor nicht. Dafür aber ein stetig wachsendes Portfolio an Mitgliedern. Laut Leki sind es aktuell knapp 79.000. Sportvorstand Jochen Saier hatte auch deshalb „ungewöhnlich lautes Grummeln im SC-Umfeld nach den ersten beiden Saisonniederlagen“ vernommen. Knapp 60.000 SC-Mitglieder kennen sportlichen Miss­erfolg bisher nicht. „Natürlich dürfen die Fans träumen“, so Saier. Aber Fußball bleibe ein volatiles Fehlerspiel: „Wir müssen wachsam sein.“

»Keine größeren Fußstapfen«

Auch sportlich lief es rund. „Es hätte keine größeren Fußstapfen geben können als die von Christian Streich. ­Julian hat die Herausforderung beherzt und überzeugend angenommen“, so Saier. In seiner ersten Saison als Cheftrainer wurde Schusters Mannschaft Fünfter der Liga. Aktuell stehen elf Kicker im Profikader des Bundesli­gisten, die eine Vergangenheit in der Freiburger Fußballschule haben: „Wir sind weiterhin ein Ausbildungsverein, angereichert mit Transfers.“

Weniger harmonisch ging es bei der Abstimmung über ein neues Vereinsorgan zu. Nachdem der letzte SC-Präsident Eberhard ­Fugmann ohne offizielle Nennung von Gründen das Amt im vergangenen Oktober niederlegte, hat der Sport-Club einen knapp zehnmonatigen „Dialogprozess“ mit zufällig ausgewählten Vereinsmitgliedern geführt. Moderiert wurde dieser von der Mediatorin Antje Grobe.

Herausgekommen ist ein Vereinsrat. Das maximal zwölfköpfige Gremium ersetzt den Ehrenrat sowie den Präsidentenplatz. Die 755 stimmberechtigten SC-Mitglieder gaben ihre Zustimmung zur Satzungsänderung mit einer satten Mehrheit (87 Prozent).

»Gerne wieder mit Freude hierherkommen«

Gänzlich zufrieden schienen die Anhänger mit dem Prozess jedoch nicht. Statt einer en-bloc-Abstimmung forderten sie Einzelabstimmungen über die jeweiligen Kandidatinnen und Kandidaten für den Vereinsrat. Eine 27-jährige Anwältin, im Verein seit 2021, schaffte es mit einer Mehrheit von 54 Prozent der Stimmen in den zwölfköpfigen Rat. Der Vorstandsvorsitzende Heinrich Breit machte keinen Hehl aus seinem Ärger: Er freue sich bereits darauf, die Veranstaltung in den kommenden Jahren nicht mehr leiten zu müssen: „Ich würde gerne mal wieder mit Freude hierherkommen.“

Dass unter 29 zulässigen Bewerbungen für den in die Jahre gekommenen und überwiegend männlichen Ehrenrat alle vier kandierenden Frauen eingeladen wurden, war wiederum Helen Breit von der Supporters Crew nicht recht: „Das fühlt sich nicht gut an.“

Der Vorsitzende des Ehrenrats, Markus Knobloch, mag dann mit seinem Jahresbericht bestätigt haben, warum dieses Vereinsorgan kein lebenswichtiges ist und mit der vakanten Präsidentschaft verschmolzen wird: Zu den nennenswerten Ereignissen zählte ein Besuch der SC-Weihnachtsfeier und eine Visite der Ganter-Brauerei. 

SC in Zahlen (in Mio. Euro) 
Saison2024/25
Umsatz162,8  
Ticketing21,1
Sponsoring25,2
Mediale Verwertung78,9 
Sonstige (darin Transfers)37,6
Aufwendungen151.0
Personalaufwand83,1 
Abschreibungen20,9 
Sonstige Aufwendungen47,0 
Jahresüberschuss11,8

Foto: ©  Philip Thomas