Zwischen Pflicht, Planung und Potenzial – Wirtschaftsprüfer Mathias Hecht über Unternehmensnachfolgen business im Breisgau | 30.11.2025 | Mathias Hecht
Mathias Hecht ist Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Gesellschafter bei der Hecht, Budai & Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Freiburg.
Deutschlands Wirtschaft steht vor einer stillen, aber massiven Herausforderung: der Unternehmensnachfolge. Laut aktuellem KfW-Nachfolgemonitor 2025 sind über 54 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer schon über 55 Jahre alt. Allein aktuell suchen rund 215.000 Betriebe eine Nachfolgelösung. Nur ein Bruchteil konnte diese im laufenden Jahr regeln.
Insgesamt planen sogar 231.000 Unternehmen mittelfristig eine Geschäftsaufgabe – meistens mangels geeigneter Nachfolge. Diese Entwicklung bedroht nicht nur einzelne Existenzen, sondern auch Arbeitsplätze und die Innovationskraft im Mittelstand. Eine erfolgreiche Nachfolge ist mehr als der reine Eigentümerwechsel – sie ist ein komplexer Prozess aus Strategie, Finanzen, Steuern, Emotionen und Recht.
Strategische und rechtliche Planung: Eine frühzeitige Nachfolgeplanung – idealerweise fünf bis zehn Jahre vor dem Übergabezeitpunkt – ist entscheidend. Es geht darum, die passende Nachfolgeform zu finden:
- Familieninterne Übergabe (etwa an Kinder oder Verwandte)
- Management-Buy-Out (MBO) – Übernahme durch interne Führungskräfte
- Management-Buy-In (MBI) – Übernahme durch externe Manager
- Externe Nachfolge – Verkauf an Dritte oder Investoren
Jede Variante hat unterschiedliche rechtliche und steuerliche Konsequenzen. Entscheidend sind klare Verträge, eine abgestimmte Gesellschaftsstruktur und ein transparenter Übergabeprozess.
Steuerliche Aspekte – das unterschätzte Risiko: Die steuerliche Gestaltung spielt bei der Nachfolgeplanung eine zentrale Rolle. Eine unüberlegte Übergabe kann zu hohen Steuerbelastungen führen, die das Fortbestehen des Unternehmens gefährden. Zu beachten sind insbesondere:
- Erbschaft- und Schenkungsteuer: Bei unentgeltlicher Übergabe können je nach Betriebsgröße erhebliche Steuerbeträge anfallen. Eine sorgfältige Bewertung und Nutzung der steuerlichen Verschonungsregeln (§§ 13a, 13b ErbStG) ist daher Pflicht.
- Einkommensteuerliche Folgen: Bei Verkauf entsteht ein Veräußerungsgewinn, der grundsätzlich der Einkommensteuer unterliegt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Unternehmer jedoch Freibeträge (§ 16 EStG) und ermäßigte Steuersätze (§ 34 EStG) nutzen.
- Grunderwerbsteuer: Bei Immobilienbesitz im Betriebsvermögen sollte geprüft werden, ob steuerfreie Übertragungen im Konzernverbund möglich sind.
- Umsatzsteuerliche Fragen: Eine Nachfolge kann als „Geschäftsveräußerung im Ganzen“ (§ 1 Abs. 1a UStG) gelten, wodurch keine Umsatzsteuer auf den Kaufpreis anfällt – eine wichtige Liquiditätserleichterung.
Eine enge Abstimmung zwischen Steuerberater, Rechtsanwalt und Unternehmensbewertungsexperte ist daher unverzichtbar.
Finanzierung und Förderung: Die Nachfolge ist auch finanziell anspruchsvoll. Die KfW-Unternehmerkredite bieten bis zu 25 Millionen Euro für Kaufpreisfinanzierung, Investitionen oder Betriebsmittel. Daneben gibt es Bürgschaftsbanken und Landesförderinstitute, die Nachfolgerinnen und Nachfolger unterstützen. Eine solide Finanzplanung erhöht die Attraktivität des Unternehmens für potenzielle Käufer und sichert die Liquidität während der Übergangsphase.
Menschliche und emotionale Dimension: Neben allen rechtlichen und steuerlichen Fragen darf der menschliche Faktor nicht vergessen werden. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihr Lebenswerk aufgebaut – der Abschied fällt schwer. Gleichzeitig müssen Nachfolger Freiraum für eigene Ideen haben. Offene Kommunikation, gegenseitiger Respekt und ein klar strukturierter Übergabeprozess sind entscheidend, um Konflikte zu vermeiden.
Fazit: Die Unternehmensnachfolge ist keine Formalität, sondern ein Zukunftsprojekt. Wer rechtzeitig plant, steuerlich optimiert und offen kommuniziert, sichert nicht nur das eigene Lebenswerk, sondern auch Arbeitsplätze und Innovationskraft im Mittelstand. Eine gelungene Nachfolge ist damit nicht das Ende, sondern der Beginn einer neuen Erfolgsgeschichte.
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