Eröffnungswochenende im Paulussaal: Glaube trifft auf Kultur und Wissenschaft STADTGEPLAUDER | 02.02.2018 | Isabel Barquero
Nach umfassender Sanierung und Modernisierung erstrahlen Paulussaal und Pauluskirche in Freiburg nun in neuem Glanz: Die Technik ist komplett neu, Dach und Glockenstuhl wurden saniert, es gibt neue Künstlergarderoben und eine neue Bühne. Der Veranstaltungsbetrieb hat Mitte Januar begonnen. Und auch die ersten Vorlesungen der Uni Freiburg sollen bald stattfinden. Offiziell eröffnet wird der Saal am 3. und 4. Februar.
Im Paulusareal zieht neues Leben ein: In Freiburgs traditionsreichster Konzertsaal wurde 20 Monate lang gewerkelt. Nun erfüllt der Saal alle Anforderungen des Brandschutzes und der Barrierefreiheit. Für hörgeschädigte Menschen gibt es nun eine Induktionsschleife. „Die Qualitätsverbesserung von Ton und Licht hat Vorteile. Veranstalter müssten so kaum Equipment mitbringen“, sagt Norbert Aufrecht, Geschäftsbereichsleiter von der Evangelischen Stadtmission.
Die aufwändige Sanierung des 1907 erbauten Hauses hat einiges gekostet: Aufrecht beziffert sie auf etwa acht Millionen Euro. Allerdings fielen durch den Umbau von 1000 Stühlen 120 weg. „Neue Regelungen schreiben größere Sitzplatzabstände und -breiten vor“, erklärt Aufrecht. Für ihn kein Nachteil, denn die Besucher setzen auf Komfort: „Die Devise der Menschen, die heute kommen, heißt: Klasse statt Masse.“
Dieter Ott vom Künstlersekretariat Ott sieht in der Bestuhlung andere Probleme: „Für Kinderveranstaltungen ist der Saal ungeeignet. Die flachen Sitze erfordern eine Sitzerhöhung, sonst sehen die Kinder nichts.“ Auch die Bühnengröße sei oft ein Hindernis für Tanz- oder Theaterveranstaltungen. Darüber kann Aufrecht nur schmunzeln: „Dann kommen wir halt als Location nicht in Frage.“
Auch die Uni Freiburg zieht ins Gebäude ein. Sie nutzt den Saal als Audimax während der Sanierung des KG II und die Kirche als Hörsaal. Tische zum Schreiben gibt es nicht. „Die Stühle im Saal und in der Kirche werden mit Schreibtablaren ausgestattet. Auf der Empore müssen die Studenten mit Schreibbrettern arbeiten.“
Während der Vorlesungszeit wird es unter der Woche keine Veranstaltung geben. Der Gottesdienst leidet darunter aber nicht. Aufrecht, der auch als Diakon tätig ist, will keinen einzigen ausfallen lassen. „Ziel des Umbaus war es, dass wir aneinander vorbeikommen. Es gibt ein zusätzliches Treppenhaus für die Gemeinde“, erläutert er. Außerdem werde die Gemeinde beim Gebet durch die schallgeschützten Räume nicht gestört. So kann im Paulussaal auch mal ein etwas lauteres Konzert stattfinden. Hierbei müsse man aber Rücksicht auf die Anwohner nehmen. „Das ist aber kein Problem, denn die Fenster sind erheblich schalldichter als früher.“
Durch die Investition kann nun das ganze Spektrum an Veranstaltungen abgedeckt werden. Dennoch gibt es Grenzen bei bestimmten Events. „Es muss mit dem christlichen Glauben vereinbar sein“, äußert sich der gelernte Religions- und Sozialpädagoge, „eine Pornografie-Messe würde ich hier nicht machen.“ Aus inhaltlichen Gründen habe er schon Veranstaltungen abgesagt. „Aber das ist an einer Hand zählbar.“
Bisher sind im laufenden Jahr 40 bis 50 Veranstaltungen gebucht, voll ausgelastet ist der Saal damit nicht. Immerhin sind neue Veranstalter als Kunden dazugekommen. „Viele sind neugierig geworden und wollen bei uns jetzt etwas Neues starten“, sagt der Diakon.
Veranstalter Ott kennt den sanierten Saal zwar noch nicht, wird sich aber am Eröffnungswochenende ein Bild davon machen. „Der Paulussaal ist ein wichtiger Ort für Freiburg und in dieser Größenordnung einzigartig“, so Ott. Der Saal sei relativ preisgünstig, allerdings sei die Erreichbarkeit ein Nachteil: „Der Saal strahlt nicht nach außen, man erkennt ihn nicht als solchen, vor allem kein auswärtiges Publikum.“ Das soll sich ändern: An der Straße wird Werbung angebracht und auch dort noch die Fassade saniert.
Da das Gebäude direkt an der B31 liegt, ist es schwierig einen Parkplatz zu finden. Im Hof gibt es nur sechs davon, die ausschließlich für Veranstalter vorgesehen sind. „Wenn wir das große Geld haben, dann bauen wir eine Tiefgarage unter den Saal, aber das wird nicht der Fall sein“, sagt Aufrecht. Für ihn sei die Parksituation kein Problem. „Die Freiburger sind es eh gewohnt in ihre Innenstadt nicht mit dem Auto zu fahren.“ Und wenn, dann würden die umliegenden Parkhäuser Abhilfe verschaffen.
Offiziell eröffnet wird der Saal am 3. und 4. Februar. „Mit dem Eröffnungswochenende möchten wir die Bandbreite der Veranstaltungen und Angebote darstellen, die in Saal und Kirche möglich sind“, erklärt Aufrecht. Die Besucher erwartet ein buntes Rahmenprogramm mit Bigband, Klavierkonzert, Foodtrucks und Erlebnisparcours. Aufrecht hofft auf zahlreiches Erscheinen, „auch wenn der SC Freiburg und das 15. MUNDOLOGIA-Festival zeitgleich laufen.“
Fotos: Isabel Barquero
Eröffnungswochenende
Samstag, 3. Februar 2018 ab 12.30 Uhr 13.30 Uhr Black Forest Tigers Bigband, tonart e.V. Emmendingen 13.30 Uhr Kirchenführung / Vorstellung der Gemeinde dreisam3 15 Uhr Jazz- und Popchor VoiceEvent 16 Uhr Kirchenführung / Vorstellung der Gemeinde dreisam3 17 Uhr Klavierkonzert mit Alfonso Gomez 18.30 Uhr Science Slam 19.30 Uhr Ladies-Crime-Night (auch für Herren spannend…) 21-24 Uhr Tango-Nacht mit dem Tango Projekt Freiburg
Kinderprogramm 13-14 Uhr Kinderschminken 13-16 Uhr Erlebnisparcours mit Stelzen, Pedalos, Outdoor-Memory u.a. 14 Uhr Märchentheater des Theaters Marienbad 15-17 Uhr Kinderschminken
Sonntag, 4. Februar 2018 ab 10.30 Uhr 10.30 Uhr Festgottesdienst mit Dekan Markus Engelhardt Anschließend Mittagessen im Paulussaal (auf Spendenbasis)
Der Eintritt ist an beiden Tagen frei. Weitere Infos gibt es unter www.paulussaal-freiburg.de










