„Ausmaß wird unterschätzt“: Freiburgs Tafel und Foodsharer kämpfen gegen Lebensmittelverschwendung Politik & Wirtschaft | 28.10.2025 | Elias Krieger
Etwa jeder Sechste in Freiburg muss mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens von rund 1.200 Euro über die Runden kommen und gilt damit als armutsgefährdet. Das spürt auch die Tafel, an die sich zahlreiche Bedürftige wenden. Gleichzeitig rettet der Freiburger Verein Foodsharing täglich etwa drei Tonnen Lebensmittel vor der Deponie.
„Wir geben täglich bis zu 184 Marken aus“, sagt Anton Höppner, Mitarbeiter der Freiburger Tafel. Jede dort angemeldete Person kann damit im Laden an der Schwarzwaldstraße zu 10 bis 20 Prozent des üblichen Supermarktpreises einkaufen. „Für uns ergänzt die Tafel gut die Sozialhilfe“, erklärt Alexandra Feliust. Sie ist mit ihren Kindern 2021 aus der Ukraine geflohen und lebt heute im Stühlinger.
Vor allem von Armut betroffen sind Alleinerziehende, Menschen über 65 Jahre sowie Teilzeitbeschäftigte und Erwerbslose, so der Freiburger Sozialbericht 2023. Das Statistische Landesamt stuft Armut außerdem als Ernährungsrisiko ein. Demnach ist etwa jeder vierte Armutsgefährdete in Baden-Württemberg auch von Ernährungsarmut betroffen.
Gleichzeitig wird in Freiburg so viel Biomüll produziert wie in keiner anderen kreisfreien Stadt im Land, so das Bundesamt für Umwelt in seiner Abfallbilanz: Im vergangenen Jahr landeten 15.850 Tonnen in der Biotonne. Das sind durchschnittlich 67 Kilogramm pro Einwohner.
Da verwundert es kaum, dass die im Freiburger Verein Foodsharing aktive Anna Denecke sagt: „Containern haben wir nicht nötig.“ Der Verein aus Freiwilligen rettet Lebensmittel vor der Verschwendung. „Wir verteilen an einen regelmäßigen Bekanntenkreis von rund 30 Leuten, darunter auch Wohnungslose und Geflüchtete“, erklärt Denecke.
Verteilt werden die Lebensmittel auch über 19 Fair-Teiler im Freiburger Stadtgebiet. Die abgelaufenen Waren stammen hauptsächlich aus Supermärkten und Bäckereien. „In der Innenstadt macht fast jeder Betrieb mit, da kommen zum Teil vier bis fünf Einkaufswagen auf zwei Personen“, so Denecke. Sortieren muss der Verein selbst, denn nicht alles sei noch genießbar.
Laut Foodsharing werden in Freiburg täglich rund drei Tonnen Lebensmittel gerettet. „Unsere Statistik ist eine konservative Schätzung“, sagt Oliver Weiß, Pressesprecher des Freiburger Vereins. „Das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung wird regelmäßig unterschätzt“, betont er. Ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel wird laut Weiß weggeschmissen.
Er schätzt, dass rund die Hälfte aller in Freiburg geretteten Lebensmittel in den Fairteilern landen – täglich circa 1,5 Tonnen. Darin seien Sonderabholungen – wie etwa einmalig zehn Tonnen Tiefkühlbrötchen – nicht vollständig abgebildet. Vergangenes Jahr sammelte der Verein am Tag der Lebensmittelverschwendung, dem 29. September, 3,5 Tonnen weggeschmissene Lebensmittel auf dem Platz der Alten Synagoge. Immerhin: Dieses Jahr sind es laut Weiß binnen 24 Stunden drei Tonnen.
Foto: © Elias Krieger











