Nudelmacher im Glück: Warum zwei Brüder aus Buchholz die „Nudlerei“ ihres Urgroßvaters fortführen Politik & Wirtschaft | 07.08.2018 | Stella Schewe

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Vier Jahre lang standen die Maschinen still, und die Bewohner des kleinen Ortes Buchholz nördlich von Freiburg waren „nudellos“. Inzwischen können sie aufatmen: Seit vergangenem Sommer gibt es wieder die traditionsreichen Buchholzer Nudeln, mit deren Produktion 1925 einst August Zimmermann begonnen hatte. Jetzt sind seine Urenkel am Zug: Matthias und Markus Schätzle haben die kleine Firma wieder aufleben lassen.

Zwei Brüder, die eines vereint: die Liebe zu Nudeln. Mit ihr sind Matthias und Markus Schätzle groß geworden. Denn neben der Familien-Bäckerei gab es an der Buchholzer Schwarzwaldstraße immer auch die „Nudlerei“, anfangs im Wohnhaus, seit Mitte des 20. Jahrhunderts dann im früheren Schweinestall. Hier wurden schon immer unter anderem Bandnudeln hergestellt, die der 28-jährige Markus „am liebsten mit viel Maggi“ mochte. Matthias ernährte sich während seines Jurastudiums in Heidelberg und Würzburg tagelang von Nudelsuppe. „Ohne einen Karton voller Nudeln bin ich nie von zu Hause weggefahren“, erzählt der 31-Jährige lachend. „Wenn ich keine mehr hatte, dann habe ich auch keine anderen gekauft.“

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Mit Leidenschaft bei der Sache: die Brüder Markus und Matthias Schätzle.

Überzeugt von ihrem Produkt sind beide Brüder gleichermaßen. Eigentlich waren sie nach ihrem Studium auf dem besten Wege, in ihren jeweiligen Berufen Fuß zu fassen. Matthias als Anwalt, Markus in Wien als Betriebswirt. Doch dann kam ihnen die (Nudel-) Liebe dazwischen. Ihre Mutter hatte nämlich, nachdem ihr Vater im Jahr 2000 gestorben war, schon mit der Bäckerei alle Hände voll zu tun und entschied irgendwann: Brot, Kuchen und Nudeln – das wird zu viel. Und so standen die Nudelmaschinen schließlich still.

Bis Matthias und Markus sich vergangenen Sommer einfanden, um sie Probe laufen zu lassen. Und siehe da: Sie liefen noch. Nicht einwandfrei, es bedurfte einiger Reparaturen, doch der Grundstock war da, und die beiden sagten sich: „Lass es uns doch einfach probieren!“ Mit Unterstützung von Familie und Freunden brachten sie die Räume auf Vordermann und befassten sich mit Nudelrezepten. „Ich dachte, wir werfen die Maschinen an und legen los“, erinnert sich Markus Schätzle, „doch Nudeln machen, ist eine Wissenschaft für sich.“

Von Zutaten wie Eiern und Grieß abgesehen, die die beiden „so lokal wie möglich“ beziehen, komme es auf Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur an. Und darauf, dass die Nudeln gewalzt und nicht gepresst werden – „dann ist ihre Oberfläche rauer und die Soße haftet besser“, erklärt Markus Schätzle.

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Altbewährt: Die Nudelmaschinen stammen noch aus den 1960er-Jahren.

„Wir haben viel ausprobiert und aus unseren Fehlern gelernt“, erzählt er. „Irgendwann waren die Nudeln dann so, wie wir sie von früher her kannten. Manche Leute sagen uns sogar ‚Jetzt sind sie besser als früher‘“ – ein Kompliment, über das sich die beiden Nudelmacher riesig freuen. 19.000 Packungen à 250 Gramm haben sie in diesem Jahr bereits verkauft, für 1,99 Euro in ausgewählten Supermärkten der Region. Beliebt ist auch das rote und grüne Pesto und schon bald sollen Spaghetti und Vollkornnudeln das Sortiment ergänzen.

Jetzt, wo die Produktion läuft, haben sich die beiden auch um eine Website und Social Media gekümmert und können durchstarten. „Der Zuspruch ist groß“, freut sich Matthias Schätzle: „So viele Menschen sagen uns ‚Das ist toll, was ihr macht’. Da denke ich mir, wir machen das schon richtig.“ Und zur Frage, ob Nudeln glücklich machen, sagt er kurz und knapp: „Definitiv. Kochen kann sie fast jeder und sie sind einfach so lecker!“ 

Fotos: © Philipp Löffler, Fabio Smitka