Becher auf Reisen – So funktioniert der Freiburger Mehrwegverbund Featured | 24.07.2026 | Till Neumann

Übergabe: Petra Kasic holt bei einer Pfeifle-Filiale Becher ab. Übergabe: Petra Kasic holt bei einer Pfeifle-Filiale Becher ab.

Deutschlandweit einzigartig“. So nennt die Stadtverwaltung ihren Mehrwegverbund. Flankierend zur umstrittenen Verpackungssteuer hat sie ihn Ende 2025 auf den Weg gebracht. Das Team liefert Betrieben saubere Mehrwegbecher, nimmt schmutzige mit, lässt sie spülen, bringt sie wieder – und verrechnet den Pfand. Eine Struktur, die laut Rathaus sonst keine Stadt bietet. Wie gut klappt das? Das chilli war einen Tag dabei.

Dienstag, 11 Uhr. Petra Kasic von der ASF ist seit 6 Uhr im Einsatz. Erst mit dem Gässleflitzer, seit 9 Uhr für den Mehrwegverbund. Der Job der 56-Jährigen: Gastrobetrieben saubere Mehrwegbecher bringen – und dafür gebrauchte mitnehmen. Die fährt sie am Ende mit ihrem Transporter nach Ehrenkirchen ins „Spülzentrum“ des Mehrwegverbunds.

Gut gelaunt sitzt Kasic in ihrem Dieseltransporter, bahnt sich den Weg durch Freiburg. „Ich habe meinen Plan“, sagt sie und steigt schwungvoll aus dem Wagen an der Max-Weber-Schule. Sie schlängelt sich durch Schülermengen Richtung Kantine, ein Küchenmitarbeiter gibt ihr eine graue Kiste. Gespült wird für die Schule nicht – sie hat eigene Maschinen. Sie braucht nur hin und wieder Becher-Nachschub. Kasic lädt die Kiste in den Transporter und fährt weiter.

Verstaut: Mit ihrem ASF-Wagen transportiert sie die Mehrwegbehälter.

Verstaut: Mit ihrem ASF-Wagen transportiert sie die Mehrwegbehälter.

„Manche wollen, dass man einmal die Woche kommt, andere nur 14-tägig“, erklärt Kasic. Dienstags und freitags sind die Touren. 27 Betriebe sind dabei. 17 waren es zu Beginn. Dazu gehört auch die Filiale der Bäckerei Pfeifle an der Markgrafenstraße, wo Kasic jetzt hält. „Wie läuft’s?“, fragt sie. „Mal so mal so“, sagt der Mitarbeiter und gibt ihr eine Kiste: „Wir geben wesentlich mehr Becher raus als dass zurückkommen.“

Dann fährt Kasic zur Pfeifle-Zentrale an der Carl-Kistner-Straße. Dort gibt’s Feedback von Karsten Elchlepp vom Führungsteam der Bäckerei. „Es funktioniert“, sagt er zum Mehrwegverbund. Doch die Verpackungssteuer ärgert ihn: „Die Kommunikation war extrem schlecht.“ Von 50 Cent pro Becher sei die Rede gewesen, brutto seien es 60. Für Kunden unschön. Der Aufwand zudem groß. Dabei soll der Verbund den minimieren: Pfand wird automatisch verrechnet, das Spülen übernommen, ein Förderprogramm bietet Beratung und Zuschüsse.

Kasic fährt weiter zu Supermärkten und Bäckern. Dann steuert sie Ehrenkirchen an. „3,5 bis 4 Stunden geht die Tour, rund 60 Kilometer“, berichtet sie. Angelangt im „Spülzentrum“ bei Karl Dischinger übergibt sie die Kisten durch ein Fenster. „Heute sind es 8, am Freitag waren es 11“, erklärt sie und läuft in den Spülraum.

Dort steht eine Großküchenspülmaschine – daneben liegen Kisten mit Mehrwegbechern und Deckeln verschiedener Marken. „Rund 250 Becher kommen pro Woche“, erklärt der dortige Leiter, „das Spülen dauert 45 Sekunden.“ Das bisherige Pensum sei überschaubar: „Wir brauchen mehr.“ Recups sind nicht dabei, die Firma macht ihr eigenes Ding. Mittlerweile sogar mit eigenem Pfandautomaten am Hauptbahnhof.

Ob die Menge wächst, ist trotz Werbens der Stadtverwaltung offen. Im Oktober entscheidet der Gemeinderat über die Zukunft der Verpackungssteuer. Wird sie abgeschafft, könnte auch der Mehrwegverbund wackeln. Dennoch zieht die Steuer Kreise: Nach Tübingen (2022), Konstanz (2025) und Freiburg (2026) hat auch Potsdam sie zum 1. Juli eingeführt.

Wie Petra Kasic die Steuer findet? „Für die Nachhaltigkeit ist es gut.“ 

Fotos: © Till Neumann